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Cannabis bei Morbus Bechterew: Was ist über die Wirkung bekannt?

Cannabis bei Morbus Bechterew: Was ist über die Wirkung bekannt?

Autorin Aya Sakr

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Aya Sakr

03.09.202612 Min. zum Lesen
Cannabis bei Morbus Bechterew: Was ist über die Wirkung bekannt?

Schmerzen und morgendliche Steifigkeit gehören für viele Menschen mit Morbus Bechterew zum Alltag. Reichen Bewegung, Physiotherapie und bewährte Medikamente nicht aus oder werden sie schlecht vertragen, suchen manche Betroffene nach ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten. Eine davon ist medizinisches Cannabis.


Anders als bei den meisten Rückenschmerzen liegt hier eine fortschreitende Entzündung zugrunde, die im ungünstigen Fall zur Versteifung der Wirbelsäule führt. Gerade diese Kombination aus Schmerz, Entzündung und Knochenumbau bringt viele Betroffene irgendwann dazu, mehrere Therapieansätze miteinander abzuwägen, von Bewegungstherapie über Biologika bis hin zu Cannabis.


Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) verstehen


Morbus Bechterew, medizinisch auch als ankylosierende Spondylitis bezeichnet, gehört zur Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und betrifft vor allem die Kreuzdarmbeingelenke und die kleinen Wirbelgelenke. Anders als bei manchen anderen rheumatischen Erkrankungen lassen sich bei Morbus Bechterew keine spezifischen Autoantikörper nachweisen, weshalb Fachleute eher von einer immunvermittelten als von einer klassischen Autoimmunerkrankung sprechen. Im Laufe der Zeit kann die andauernde Entzündung zur Bildung von neuem Knochengewebe führen, wodurch einzelne Wirbel zusammenwachsen und die Wirbelsäule an Beweglichkeit verliert.


In Deutschland sind nach aktuellen Daten der NAKO-Gesundheitsstudie etwa 0,49 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von Morbus Bechterew oder seiner Frühform betroffen. Typischerweise treten die ersten Beschwerden im jungen Erwachsenenalter auf, oft genau in der Lebensphase, in der Berufseinstieg oder Familiengründung anstehen. Morbus Bechterew wird häufiger bei Männern diagnostiziert.


Ein zentraler genetischer Risikofaktor ist das Merkmal HLA-B27. Während es bei etwa 5 bis 10 Prozent der gesunden deutschen Bevölkerung vorkommt, lässt es sich bei über 80 Prozent der Menschen mit Morbus Bechterew nachweisen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder mit diesem Merkmal erkrankt, und auch ohne HLA-B27 ist die Erkrankung nicht ausgeschlossen. Vermutlich braucht es zusätzliche Auslöser, etwa bestimmte Infektionen, damit die Erkrankung tatsächlich ausbricht.


Symptome und Krankheitsverlauf

Symptome und Krankheitsverlauf


Das Leitsymptom ist der sogenannte entzündliche Rückenschmerz. Er unterscheidet sich von gewöhnlichen Rückenschmerzen durch einige typische Merkmale: Du wachst eher in der zweiten Nachthälfte durch die Schmerzen auf, morgens ist deine Wirbelsäule oft für eine längere Zeit steif, und Bewegung bessert die Beschwerden, während Ruhe sie eher verschlimmert. Dieses Muster unterscheidet entzündliche Rückenschmerzen deutlich von den wesentlich häufigeren mechanischen Rückenschmerzen.


Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Erkrankung nicht auf die Wirbelsäule beschränkt. Periphere Gelenke wie Knie, Hüfte oder Schulter können sich entzünden, ebenso die Ansätze von Sehnen an den Knochen, etwa an der Achillessehne.


Bis zu 50 Prozent der Menschen mit Morbus Bechterew entwickeln im Krankheitsverlauf auch Beschwerden außerhalb des Bewegungsapparats. Am häufigsten sind das Entzündungen der Regenbogenhaut im Auge, Schuppenflechte oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Besteht zusätzlich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, kann auch das Thema medizinisches Cannabis bei Magen-Darm-Erkrankungen relevant werden.


Entzündung und Knochenbildung


Was Morbus Bechterew von vielen anderen rheumatischen Erkrankungen unterscheidet, ist die Kombination aus Entzündung und Knochenneubildung. An den Sehnenansätzen, medizinisch Enthesen genannt, entsteht zunächst eine Entzündung. Im Verlauf der Erkrankung bildet der Körper an dieser Stelle neuen Knochen. Wiederholt sich dieser Prozess über Jahre, wachsen benachbarte Wirbel über sogenannte Syndesmophyten zusammen, und die Wirbelsäule versteift sich zunehmend.


Nur bei etwa 40 bis 50 Prozent der Betroffenen sind die klassischen Entzündungswerte im Blut, insbesondere CRP und Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), erhöht. Ein unauffälliger Laborwert schließt eine aktive Erkrankung daher keineswegs aus.


Konventionelle AS-Behandlung


Die Behandlung folgt in Deutschland einem abgestuften Konzept, das Bewegungstherapie und medikamentöse Maßnahmen miteinander kombiniert. Ziel ist es, Schmerzen und Entzündungsaktivität möglichst gut zu kontrollieren, die Funktionsfähigkeit zu erhalten und die Beweglichkeit der Wirbelsäule langfristig zu bewahren. Welche Maßnahmen zum Einsatz kommen, richtet sich vor allem nach der Krankheitsaktivität und dem individuellen Verlauf.


NSAIDs und Schmerzmittel


Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) bilden die erste Stufe der medikamentösen Therapie. Sie können Schmerzen und Morgensteifigkeit wirksam lindern. Ob ein NSAR ausreichend wirkt, zeigt sich in der Regel nach einer Behandlung in ausreichender Dosierung über einen angemessenen Zeitraum. Bleibt der gewünschte Effekt aus oder wird das Präparat nicht gut vertragen, kommt häufig ein Wechsel auf ein anderes NSAR infrage.


NSAR sind jedoch nicht frei von Nebenwirkungen. Sie können unter anderem den Magen-Darm-Trakt belasten, die Nierenfunktion beeinträchtigen und den Blutdruck erhöhen. Wer sie über längere Zeit einnimmt, sollte deshalb regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.


Sulfasalazin und Methotrexat, die bei anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur Basistherapie gehören, wirken bei den Beschwerden der Wirbelsäule in der Regel kaum. Sulfasalazin kann jedoch bei einer zusätzlichen peripheren Gelenkbeteiligung sinnvoll sein.


Biologika und JAK-Hemmer


Reichen NSAR allein nicht aus, kommen Biologika infrage. Dazu gehören insbesondere TNF-alpha- und IL-17-Hemmer, deren Wirksamkeit bei Morbus Bechterew gut belegt ist. Eine weitere Behandlungsoption sind JAK-Hemmer wie Tofacitinib und Upadacitinib, die über einen anderen Wirkmechanismus in das Entzündungsgeschehen eingreifen.


Auch Bimekizumab steht für bestimmte Patient:innen als Therapieoption zur Verfügung, wenn vorherige Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden. Biologika und JAK-Hemmer können die Entzündungsaktivität wirksam kontrollieren, erhöhen jedoch auch das Risiko für Infektionen. Die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Präparat wird deshalb immer gemeinsam mit der behandelnden Rheumatolog:in getroffen.


Cannabis bei Wirbelsäulenentzündung

Cannabis bei Wirbelsäulenentzündung


Weil die Beschwerden trotz der empfohlenen Therapien nicht bei allen Betroffenen ausreichend kontrolliert werden können, rückt Cannabis zunehmend als mögliche ergänzende Behandlungsoption in den Fokus. Bislang liegen jedoch keine veröffentlichten randomisierten klinischen Studien vor, die medizinisches Cannabis gezielt bei Menschen mit Morbus Bechterew untersucht haben.


Derzeit läuft in Dänemark eine placebokontrollierte Studie, in der zunächst CBD und anschließend THC bei chronischen Schmerzen von Patient:innen mit rheumatoider Arthritis und ankylosierender Spondylitis untersucht werden. Die Studienautor:innen weisen selbst darauf hin, dass bislang gut kontrollierte Untersuchungen zur Wirkung von medizinischen Cannabis auf Schmerzen und kognitive Funktionen bei diesen Erkrankungen fehlen. Ergebnisse dieser Studie stehen noch aus.


Das bedeutet nicht, dass Cannabis bei Morbus Bechterew wirkungslos wäre, sondern schlicht, dass belastbare Daten für diese spezifische Erkrankung fehlen. Vieles, was heute diskutiert wird, stützt sich auf Erkenntnisse aus benachbarten Bereichen: der Grundlagenforschung zum Endocannabinoidsystem, Studien zu anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und der allgemeinen Schmerzforschung.


Entzündungshemmende Wirkung


Ein Teil der bisherigen Erkenntnisse stammt aus der Grundlagenforschung. Der CB2-Rezeptor des Endocannabinoidsystems kommt unter anderem auf Immunzellen sowie auf Osteoblasten und Osteoklasten vor, also auf Zellen, die am Knochenumbau beteiligt sind. In Zell- und Tiermodellen konnte eine Aktivierung dieses Rezeptors entzündungsfördernde Botenstoffe wie TNF-alpha reduzieren und gleichzeitig den Knochenabbau bremsen.


Diese Ergebnisse sind für Morbus Bechterew deshalb von Interesse, weil genau dieses Zusammenspiel aus Entzündung und Knochenneubildung die Erkrankung prägt. Allerdings stammen die genannten Erkenntnisse überwiegend aus Zell- und Tiermodellen, nicht aus Untersuchungen an Menschen mit dieser Erkrankung.


Ob sich die Effekte auf den tatsächlichen Krankheitsverlauf übertragen lassen, ist bislang offen. Wer sich für die Wirkmechanismen von Cannabidiol im Detail interessiert, findet hierzu weiterführende Informationen zur CBD-Wirkung.


Cannabis für AS-spezifische Symptome


Randomisierte Studien zu medizinischem Cannabis speziell bei Morbus Bechterew liegen bislang nicht vor. Aussagen zur möglichen Wirkung stützen sich daher vor allem auf Untersuchungen zu anderen chronischen Schmerz- und entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Auch wenn sich diese Ergebnisse nicht eins zu eins übertragen lassen, ermöglichen sie eine vorsichtige Einordnung. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Beschwerden, die viele Betroffene besonders belasten: chronische Rückenschmerzen mit Morgensteifigkeit sowie Schlafstörungen.


Rückenschmerzen und Steifigkeit


Eine britische Studie aus dem Jahr 2006 untersuchte das cannabisbasierte Arzneimittel Sativex bei Menschen mit rheumatoider Arthritis, nicht bei Morbus Bechterew. In der placebokontrollierten Untersuchung mit 58 Teilnehmenden zeigten sich statistisch signifikante Verbesserungen bei Schmerzen in Bewegung, Schmerzen in Ruhe und der Schlafqualität. Weil rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew unterschiedliche Krankheitsmechanismen haben, lassen sich diese Ergebnisse nicht direkt übertragen.


Einen direkteren Bezug zu Morbus Bechterew hat eine kanadische Querschnittsstudie aus dem Jahr 2020, die im Gegensatz zur britischen Untersuchung gezielt Menschen mit Morbus Bechterew befragte: Sie nutzen doppelt so häufig medizinisches Cannabis wie andere Patient:innen einer rheumatologischen Klinik. Die Studienautor:innen vermuten, dass unzureichend kontrollierte Schmerzen ein Treiber dieser höheren Nutzung sein könnten, auch wenn die wahrgenommene Wirkung von den Teilnehmenden selbst eher als moderat beschrieben wurde.


Da sich die Studie direkt mit Menschen mit Morbus Bechterew beschäftigte, gehört sie trotz ihres Beobachtungsdesigns zu den wenigen Untersuchungen, die unmittelbare Daten für diese Erkrankung liefern. Weitere Informationen zu einem verwandten Krankheitsbild findest du im Beitrag über Cannabis bei rheumatoider Arthritis.


Schlafstörungen durch Schmerzen

Schlafstörungen durch Schmerzen


Nächtliche Schmerzen und eine eingeschränkte Schlafqualität zählen für viele Menschen mit Morbus Bechterew zu den größten Belastungen. Das hängt auch damit zusammen, dass der entzündliche Rückenschmerz typischerweise in der zweiten Nachthälfte auftritt. In einer kanadischen Studie zu chronischen neuropathischen Schmerzen berichteten die Teilnehmenden unter inhaliertem Cannabis mit höherem THC-Gehalt über eine bessere Schlafqualität und ein leichteres Einschlafen als unter Placebo.


Zu einem ähnlichen, wenn auch vorsichtigeren Ergebnis kommt eine Metaanalyse randomisierter Studien aus dem Jahr 2021. Bei Menschen mit chronischen Schmerzen zeigte sich unter medizinischem Cannabis im Vergleich zu Placebo eine kleine, aber messbare Verbesserung der Schlafqualität. Beide Untersuchungen beziehen sich jedoch auf chronische Schmerzen allgemein und nicht speziell auf Morbus Bechterew.


Da nächtliche Schmerzen bei Morbus Bechterew häufig den Schlaf beeinträchtigen, erscheint ein Zusammenhang zwischen einer möglichen Schmerzlinderung und besserem Schlaf grundsätzlich plausibel. Ob sich dieser Effekt auch speziell bei Morbus Bechterew nachweisen lässt, müssen künftige Studien jedoch erst zeigen.


Mehr zum Thema liest du im Beitrag Cannabis bei chronischen Schmerzen.


AS-Behandlung bei Releaf


Seit April 2024 gelten für medizinisches Cannabis in Deutschland neue rechtliche Rahmenbedingungen. Mit dem Inkrafttreten des Medizinal-Cannabisgesetzes wird medizinisches Cannabis nicht mehr auf einem Betäubungsmittelrezept, sondern auf einem regulären ärztlichen Rezept verordnet. Das hat den Zugang zu medizinischem Cannabis auf Rezept in der Praxis spürbar vereinfacht.


Bei Releaf arbeitest du mit Ärzt:innen zusammen, die Erfahrung in der Verordnung von medizinischem Cannabis haben. Da Morbus Bechterew sehr unterschiedlich verlaufen kann, bilden deine Vorerkrankungen, die aktuelle Medikation und bisherige Therapieerfahrungen die Grundlage für jede individuelle Therapieentscheidung.


Erst danach wird gemeinsam besprochen, ob medizinisches Cannabis für dich grundsätzlich infrage kommt und welche Darreichungsform oder welches Präparat geeignet sein könnte. Einen Überblick über die verfügbaren Produkte bietet unser medizinischer Cannabis-Online-Shop.


Kombination mit konventioneller AS-Therapie


Cannabis wird in diesem Kontext nicht als Ersatz für NSAR oder Biologika verstanden, sondern allenfalls als ergänzender Baustein. Wichtig ist die Abstimmung mit der bestehenden Medikation: Wer Biologika einnimmt, sollte mögliche Wechselwirkungen und den Einfluss auf das Immunsystem ärztlich abklären lassen, bevor Cannabis dazukommt.


Auch die Koordination mit der behandelnden Rheumatologie ist entscheidend. Eine Krankheit wie Morbus Bechterew wird in der Regel langfristig betreut, und jede zusätzliche Therapieoption sollte in dieses bestehende Behandlungskonzept eingebettet werden, statt parallel und unabgestimmt zu laufen.


Bewegung und Cannabis bei AS


Bewegungstherapie ist bei Morbus Bechterew keine Ergänzung, sondern eine tragende Säule der Behandlung, gleichrangig mit der medikamentösen Therapie. Regelmäßige, krankheitsspezifische Übungen verbessern nachweislich die Beweglichkeit, reduzieren Schmerzen und können sogar den Bedarf an Medikamenten senken. In Deutschland bietet die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew an über 400 Orten spezielle Funktionstherapie und Sportgruppen an, die sich ärztlich verordnen lassen.


Wenn Cannabis Schmerzen und muskuläre Verspannungen lindert, kann das indirekt dabei helfen, überhaupt erst die Energie und Beweglichkeit für regelmäßiges Training aufzubringen. Ein direkter Einfluss auf die Versteifung der Wirbelsäule ist damit nicht gemeint. Vielmehr könnte eine bessere Symptomkontrolle dabei helfen, die empfohlene Bewegungstherapie langfristig konsequent umzusetzen.


Langzeitmanagement und Funktionserhalt


Morbus Bechterew begleitet die meisten Betroffenen ein Leben lang. Umso wichtiger ist ein Behandlungskonzept, das nicht nur akute Schübe abfedert, sondern langfristig die Funktionsfähigkeit erhält und Fehlstellungen vorbeugt. Schmerzlinderung spielt dabei eine unterstützende Rolle, weil sie erst die Voraussetzung dafür schafft, kontinuierlich an Beweglichkeit und Lebensqualität zu arbeiten.


Medizinisches Cannabis kann für manche Menschen mit Morbus Bechterew eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzt jedoch weder Bewegung noch die leitliniengerechte Therapie. Entscheidend ist eine individuelle ärztliche Abwägung auf Grundlage der Beschwerden, der bisherigen Behandlung und der persönlichen Therapieziele.


Häufige Fragen rund um Cannabis bei Morbus Bechterew

Sollte man die Wirkung von Cannabis bei Morbus Bechterew nicht überschätzen?


Genau, und das ist ein wichtiger Punkt. Für Morbus Bechterew speziell gibt es bislang keine kontrollierten Studien zu Cannabis, die eine verlässliche Aussage über die Wirksamkeit erlauben würden. Was existiert, sind Daten aus benachbarten Krankheitsbildern und aus der Schmerzforschung allgemein, die Hinweise liefern, aber keinen Beweis. Wer sich für Cannabis interessiert, sollte es deshalb als möglichen Baustein neben der Standardtherapie sehen, nicht als Ersatz dafür.

Was zeigte die britische Studie von 2006?


Diese Studie hat Sativex bei Patient:innen mit rheumatoider Arthritis untersucht, also nicht bei Morbus Bechterew. In der placebokontrollierten Untersuchung besserten sich Schmerzen bei Bewegung, Schmerzen in Ruhe und die Schlafqualität statistisch signifikant. Weil rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew unterschiedliche Erkrankungen mit unterschiedlichen Entzündungsmechanismen sind, lassen sich die Ergebnisse nicht einfach übertragen. Sie zeigen aber, dass Cannabis bei entzündlich-rheumatischen Schmerzen grundsätzlich untersucht wird.

Wirkt Cannabis bei Morbus Bechterew anders als bei anderen rheumatischen Erkrankungen?


Das lässt sich aktuell nicht seriös beantworten, weil die Studienlage für Morbus Bechterew praktisch leer ist. Es gibt vereinzelte Untersuchungen zu anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit uneinheitlichen Ergebnissen, aber eine direkte Vergleichbarkeit zu Morbus Bechterew fehlt schlicht. Eine dänische Studie befasst sich aktuell gezielt mit Cannabis bei rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew, ihre Ergebnisse stehen aber noch aus.

Kann Cannabis die Entzündung der Wirbelsäule reduzieren?


Im Labor zeigen Cannabinoide über den CB2-Rezeptor entzündungshemmende Effekte, etwa auf Botenstoffe, die an Knochen- und Gelenkentzündungen beteiligt sind. Allerdings stammen diese Erkenntnisse bislang überwiegend aus Zell- und Tiermodellen, nicht aus Studien an Menschen mit Morbus Bechterew. Ob sich das auf die tatsächliche Krankheitsaktivität übertragen lässt, ist offen.


Kann medizinisches Cannabis die Beweglichkeit verbessern?


Direkte Studien dazu fehlen, aber der Mechanismus ist nachvollziehbar: Wenn Cannabis Schmerzen und Muskelverspannung lindert, fällt es leichter, sich zu bewegen und Bewegungstherapie regelmäßig durchzuführen. Und genau die Bewegungstherapie ist bei Morbus Bechterew die tragende Säule, um die Beweglichkeit zu erhalten. Cannabis würde in diesem Bild eher unterstützend wirken, nicht direkt auf die Versteifung selbst.


Welche Darreichungsform eignet sich bei Rückenschmerzen durch Morbus Bechterew?


Das hängt stark vom Einzelfall ab und sollte ärztlich abgestimmt werden. Inhalierte Formen wirken schneller und lassen sich in der Dosis feiner steuern, halten aber kürzer an. Öle und Tropfen wirken langsamer und länger, dafür ist die Wirkung schwerer vorhersehbar. Bei einer Erkrankung, die den ganzen Rücken betrifft, kommen meist systemisch wirkende Formen infrage, während lokale Cremes allenfalls ergänzend bei einzelnen schmerzhaften Stellen helfen können.


Wenn du überlegst, ob Cannabis für dich infrage kommt, ist das ärztliche Gespräch der beste erste Schritt.


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Autoren

Autorin Aya Sakr

Aya Sakr

Aya Sakr ist freiberufliche Übersetzerin und Copywriterin für internationale Marken und Unternehmen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht immer, komplexe Themen in klare, zielgruppengerechte und leicht verständliche Texte zu verwandeln – sprachlich präzise und abgestimmt auf die jeweilige Markenstimme. Mit fundiertem akademischem Hintergrund in Germanistik sorgt sie für überzeugenden Content, der Leser:innen begeistert und die Unternehmensziele optimal unterstützt.

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