Cannabis bei Akne: Was ist über CBD bekannt?
Cannabis bei Akne: Was ist über CBD bekannt?

Autor
Lea Hauke

CBD-Cremes, Seren und Gesichtsöle werden zunehmend auch für unreine Haut angeboten. Viele Produkte versprechen weniger Talg, beruhigte Entzündungen und ein ebenmäßigeres Hautbild. Die wissenschaftliche Grundlage dafür ist jedoch schmaler, als solche Aussagen vermuten lassen. Zwar gibt es interessante Ergebnisse aus Untersuchungen an Haut- und Talgdrüsenzellen, klinische Studien mit Menschen sind bislang aber selten.
In diesem Artikel erfährst du, weshalb CBD bei Akne erforscht wird, was die bisherigen Untersuchungen tatsächlich zeigen und worauf du bei frei verkäuflichen CBD-Produkten achten solltest.

Wie entsteht Akne?
Etwa 70 Prozent der Menschen leiden im Laufe ihres Lebens einmal an Akne. Akne (wissenschaftlich Akne vulgaris) zeigt sich nicht nur durch einzelne Pickel, sondern kann über längere Zeit Mitesser, entzündete Papeln, Pusteln oder tiefer liegende Knoten verursachen. Häufig betroffen sind Gesicht, Brust, Schultern und Rücken. Je nachdem, wie stark die Akne ausgeprägt ist, können nach dem Abheilen der entzündeten Stellen auch dunkle Stellen oder Narben zurückbleiben. Doch welche Gründe für Akne gibt es?
Akne ist eine entzündliche Erkrankung der sogenannten Talgdrüsenfollikel, also der Einheiten aus Haarfollikel und zugehöriger Talgdrüse. Talgdrüsen produzieren Talg, der die Haut geschmeidig hält und vor dem Austrocknen schützt. Werden die Drüsen beispielsweise unter dem Einfluss von Androgenen stärker angeregt, kann sich mehr Talg bilden.
Gleichzeitig können sich am Ausgang eines Haarfollikels zu viele verhornte Hautzellen ansammeln. Talg und Hornzellen verstopfen den Follikel, sodass ein offener oder geschlossener Mitesser entsteht.
In dieser Umgebung kann sich das Hautbakterium Cutibacterium acnes vermehren. Das Bakterium gehört grundsätzlich zur normalen Hautflora. Bei Akne können jedoch sein vermehrtes Auftreten und die Reaktion des Immunsystems Entzündungen fördern. Dadurch entstehen gerötete Papeln, Pusteln oder tiefer liegende Knoten.
Mit mangelnder Hygiene hat Akne nichts zu tun. Sie ist oft erblich bedingt und tritt häufig in der Pubertät auf und kann auch bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Wie wird Akne normalerweise behandelt?
Es gibt verschiedene Medikamente, mit denen Akne behandelt werden kann. Bei leichter bis mittelschwerer Akne werden meist Wirkstoffe auf die Haut aufgetragen. Retinoide wie Adapalen lösen Verhornungen und helfen dabei, verstopfte Follikel zu öffnen. Benzoylperoxid wirkt gegen das Bakterium Cutibacterium acnes und kann Entzündungen verringern. Eine weitere Möglichkeit ist Azelainsäure, die sowohl Verhornungsstörungen als auch Entzündungen beeinflusst. Da einige dieser Mittel die Haut anfangs reizen oder austrocknen können, werden sie häufig langsam in die Pflegeroutine eingeführt.
Reicht die äußerliche Behandlung bei stärker entzündlicher Akne nicht aus, können zeitweise Antibiotika zum Einnehmen eingesetzt werden. Um Resistenzen zu vermeiden, sollten sie nicht allein und nicht länger als erforderlich angewendet werden. Üblicherweise werden sie mit einer äußerlichen Behandlung kombiniert.
Bei schwerer Akne, tiefen Knoten oder einem hohen Narbenrisiko kann Isotretinoin infrage kommen. Der Wirkstoff kann die Talgproduktion deutlich senken, hat aber relevante Nebenwirkungen und darf in der Schwangerschaft keinesfalls eingenommen werden. Die Behandlung muss deshalb ärztlich begleitet werden. Bei manchen Patientinnen können außerdem hormonelle Therapien sinnvoll sein.
Begleitend hilft eine milde Reinigung, welche die Haut nicht zusätzlich reizt. Starkes Schrubben oder häufiges Ausdrücken kann Entzündungen verschlimmern und das Narbenrisiko erhöhen.
Warum wird CBD bei Akne erforscht?
Wenn von CBD bei Akne die Rede ist, werden viele erst einmal stutzig. Warum sollte ein Stoff aus der Cannabispflanze ausgerechnet bei Akne helfen? Ausgangspunkt sind Beobachtungen aus Laborversuchen, nach denen medizinisches Cannabis bestimmte Vorgänge beeinflussen kann, die auch an der Entstehung von Akne beteiligt sind. Dazu gehören die Talgproduktion, die Verhornung der Haut und Entzündungsreaktionen.
Eine mögliche Rolle spielt dabei das körpereigene Endocannabinoid-System. Seine Botenstoffe, Rezeptoren und Enzyme kommen auch in der Haut vor und sind an der Steuerung von Talgdrüsen, Hautzellen und Immunreaktionen beteiligt.
CBD gehört selbst nicht zu diesem System. Als pflanzliches Cannabinoid kann es jedoch nach dem Kontakt mit der Haut oder der Aufnahme in den Körper verschiedene Signalwege modulieren. Dazu zählen Bestandteile des Endocannabinoid-Systems, aber auch weitere Rezeptoren und Enzyme.
Welche konkreten Beobachtungen aus Zellversuchen stammen und was bisher in Untersuchungen mit Patient:innen festgestellt wurde, zeigen die folgenden Abschnitte.

Was sagt die Forschung zu CBD bei Akne?
Mit dem Hintergrundwissen zu der Annahme, dass CBD bei Akne wirken könnte, klingt die Theorie erst einmal plausibel. Sieht man sich die Forschungsergebnisse einmal genauer an, fällt allerdings auf, dass die Aussagen eher als zurückhaltend zu betrachten sind. Häufig liest man CBD “könnte” helfen, aber über den Konjunktiv gehen die wenigsten seriösen Quellen hinaus. Doch warum genau sind die Ergebnisse so vorsichtig zu bewerten?
Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen die beobachteten Effekte entstanden sind. Bei CBD und Akne stammen die meisten Erkenntnisse bisher aus Laboruntersuchungen. Aussagekräftige klinische Studien mit Menschen fehlen weitgehend. Sehen wir uns die Untersuchungen einmal genauer an.
Was zeigen Untersuchungen an Haut- und Talgdrüsenzellen?
In einer Laborstudie von Oláh und Kolleg:innen wurde CBD an menschlichen Talgdrüsenzellen und Hautgewebe außerhalb des Körpers untersucht. Unter bestimmten Versuchsbedingungen bremste CBD eine verstärkte Fettbildung in den Talgdrüsenzellen und beeinflusste entzündliche Signalwege. Die für eine gesunde Haut notwendige grundlegende Talgproduktion wurde dabei nicht vollständig unterdrückt.
Eine Zellstudie aus dem Jahr 2024 lieferte weitere Hinweise: CBD verringerte die Bildung bestimmter Entzündungsbotenstoffe und beeinflusste Signalwege, die an der Fettproduktion und Verhornung beteiligt sind. Bei höheren Konzentrationen nahm allerdings auch die Lebensfähigkeit der untersuchten Talgdrüsenzellen ab.
Damit zeigen die Versuche mögliche Wirkmechanismen, die bei Akne relevant sein könnten. Ob sich geeignete CBD-Konzentrationen mit einem Hautprodukt erreichen lassen, ohne die Haut zu schädigen, und ob dadurch Akne sichtbar zurückgeht, lässt sich aus Zellversuchen nicht ableiten.
Wurde CBD bereits an Menschen mit Akne untersucht?
Klinische Daten gibt es bislang nur in sehr begrenztem Umfang. In einer vorläufigen Untersuchung mit 30 Personen ging die Zahl der Akneläsionen während einer 56-tägigen äußerlichen Behandlung zurück. Das getestete Produkt enthielt neben einem Prozent CBD allerdings auch Centella-asiatica-Extrakt, Silymarin und Salicylsäure. Alle diese Bestandteile könnten das Ergebnis beeinflusst haben.
Zudem gab es weder eine Placebogruppe noch eine Vergleichsgruppe, die dieselbe Formulierung ohne CBD erhielt. Deshalb lässt sich nicht feststellen, welchen Anteil CBD an der beobachteten Verbesserung hatte. Die Untersuchung liefert einen Ansatz für weitere Forschung, belegt aber nicht, dass CBD allein Akne wirksam behandelt. Kontrollierte Studien mit ausreichend vielen Teilnehmenden stehen noch aus.
Kann CBD Aknenarben vorbeugen oder verbessern?
Für eine solche Wirkung gibt es derzeit keinen klinischen Nachweis. In der Zellstudie aus dem Jahr 2024 stieg unter CBD die Bildung von Kollagen und Elastin. Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass CBD bestehende Aknenarben sichtbar verbessert. Kollagenbildung in einzelnen Zellen ist nicht mit dem komplexen Umbau von Narbengewebe in menschlicher Haut gleichzusetzen.
Auch ob CBD Narben verhindern kann, wurde bisher nicht ausreichend untersucht. Das Risiko für Aknenarben sinkt in erster Linie, wenn entzündliche Akne frühzeitig wirksam behandelt und entzündete Stellen nicht ausgedrückt werden. Bei bestehenden Narben kommen je nach Art beispielsweise medizinische Peelings, Microneedling, Laserbehandlungen oder andere dermatologische Verfahren infrage. CBD gehört derzeit nicht zu den etablierten Behandlungen von Aknenarben.

Was bedeuten die bisherigen Ergebnisse für die Behandlung?
Die bisherigen Forschungsergebnisse sind zwar interessant und wecken nicht nur bei Akne, sondern bei mehreren Cannabis-Indikationen Hoffnungen. Solange sie jedoch nicht unter einheitlichen Bedingungen mit Patient:innen getestet wurden, lässt sich leider keine Therapieempfehlung aussprechen.
Es fehlen kontrollierte klinische Studien, die zeigen, ob CBD allein Akne sichtbar und dauerhaft verbessert, welche Konzentration dafür erforderlich wäre und wie gut die Haut eine längere Anwendung verträgt.
CBD gehört deshalb derzeit nicht zu den etablierten Aknebehandlungen. Bewährte Wirkstoffe wie Benzoylperoxid, Retinoide oder Azelainsäure sollten nicht eigenständig durch ein CBD-Produkt ersetzt werden. Das gilt besonders bei schmerzhafter, entzündlicher Akne oder ersten Narben, da eine verzögerte wirksame Behandlung bleibende Hautveränderungen begünstigen kann.
Wer dennoch CBD-Kosmetik ausprobieren möchte, sollte sie höchstens als ergänzende Hautpflege betrachten und beobachten, ob sich Rötungen, Brennen oder Unreinheiten verstärken. Bei ausgeprägter oder anhaltender Akne solltest du dich in jedem Fall dermatologisch beraten lassen.
Welche Risiken haben CBD-Produkte bei unreiner Haut?
CBD wird in Kosmetik häufig als sanfter pflanzlicher Inhaltsstoff präsentiert. Ob ein Produkt für zu Akne neigende Haut geeignet ist, hängt jedoch nicht allein vom CBD ab. Auch die übrigen Bestandteile, ihre Konzentrationen und die gesamte Formulierung entscheiden darüber, wie die Haut darauf reagiert.
Können CBD-Produkte die Haut reizen oder Poren verstopfen?
Eine Sicherheitsstudie von Luz-Veiga und Kolleg:innen fand unter den geprüften Bedingungen keine Hinweise darauf, dass die untersuchten CBD- und CBG-Formulierungen die Haut reizten, sensibilisierten oder lichtempfindlicher machten. Das spricht für eine gute Verträglichkeit der konkret getesteten Substanzen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jedes frei verkäufliche CBD-Produkt für jede Haut geeignet ist.
Ob eine Creme Poren verstopft, hängt von ihrer gesamten Rezeptur ab. Reichhaltige Trägeröle, Wachse oder andere Bestandteile können für zu Akne neigende Haut ungeeignet sein, auch wenn CBD selbst enthalten ist. Zudem kann empfindliche Haut auf Duftstoffe, Konservierungsmittel oder Pflanzenextrakte mit Rötungen, Brennen und Juckreiz reagieren.
Hautausschläge wurden auch im Zusammenhang mit CBD beschrieben. In einer Fallserie mit vier Frauen traten sie allerdings nach der Einnahme von CBD auf. Die Beobachtung belegt daher nicht, dass CBD-Cremes dieselben Reaktionen verursachen, zeigt aber, dass CBD nicht grundsätzlich frei von unerwünschten Wirkungen ist.
Worauf ist bei frei verkäuflicher CBD-Kosmetik zu achten?
Wenn du ein CBD-Produkt ausprobieren möchtest, prüfe die vollständige Zutatenliste und wähle eine Formulierung, die ausdrücklich für zu Akne neigende Haut vorgesehen und als nicht komedogen (Mitesser fördernd) gekennzeichnet ist. Eine solche Angabe ist keine Garantie, kann die Auswahl aber erleichtern. Produkte mit vielen Duftstoffen oder sehr reichhaltigen Ölen sind bei empfindlicher Haut möglicherweise weniger geeignet.
Teste das Produkt zunächst auf einer kleinen Hautstelle und führe nicht gleichzeitig mehrere neue Pflegeprodukte ein. So lässt sich eine Reaktion leichter zuordnen. Brennt die Haut, wird sie deutlich röter oder nimmt die Zahl der Unreinheiten zu, solltest du die Anwendung unbedingt beenden.
Wichtig ist außerdem, Kosmetik nicht mit einem zugelassenen Arzneimittel gleichzusetzen. Eine CBD-Creme darf nicht allein deshalb als wirksame Aknebehandlung gelten, weil sie CBD enthält oder mit Laborergebnissen beworben wird.
Häufig gestellte Fragen zu Cannabis und CBD bei Akne
Kann CBD Akne heilen?
Akne kann zwar behandelt und häufig langfristig gut kontrolliert werden, für eine heilende Wirkung von CBD gibt es jedoch keinen Nachweis. Die bisherige CBD-Forschung besteht überwiegend aus Laborversuchen. Aussagekräftige klinische Studien, die eine zuverlässige Wirkung bei Menschen zeigen, fehlen.
Hilft CBD gegen entzündete Pickel?
Laboruntersuchungen zeigen, dass CBD bestimmte Entzündungsprozesse in Haut- und Talgdrüsenzellen beeinflussen kann. Ob eine CBD-Creme dadurch entzündete Pickel bei Menschen wirksam lindert, ist noch nicht ausreichend untersucht. Die verfügbaren Ergebnisse belegen daher keine klinische Wirkung.
Kann CBD die Talgproduktion verringern?
In Laborversuchen konnte CBD eine verstärkte Fettbildung in menschlichen Talgdrüsenzellen hemmen. Unter normalen Bedingungen wurde die grundlegende Talgproduktion dabei nicht vollständig unterdrückt. Die Untersuchung von Oláh und Kolleg:innen fand jedoch außerhalb des menschlichen Körpers statt. Ob CBD auch auf der Haut von Patient:innen die Talgproduktion ausreichend verringert und dadurch Akne verbessert, ist bisher nicht nachgewiesen.
Kann CBD Aknenarben entfernen?
Dafür gibt es keinen klinischen Nachweis. In einer Zellstudie aus dem Jahr 2024 beeinflusste CBD zwar die Bildung von Kollagen und Elastin. Das zeigt jedoch nicht, dass CBD bestehendes Narbengewebe in menschlicher Haut abbaut oder sichtbar glättet. Zur Behandlung von Aknenarben werden je nach Narbenart andere dermatologische Verfahren eingesetzt.
Wirkt CBD gegen Aknebakterien?
Ob CBD das bei Akne relevante Bakterium Cutibacterium acnes auf der menschlichen Haut ausreichend hemmt, ist nicht geklärt. Zwar werden antimikrobielle Eigenschaften von Cannabinoiden untersucht, daraus lässt sich aber keine zuverlässige Behandlung ableiten. In der vorläufigen Studie mit 30 Personen enthielt das getestete Produkt neben CBD mehrere weitere Wirkstoffe. Die beobachteten Veränderungen können deshalb nicht CBD allein zugeschrieben werden.
Ist eine anfängliche Verschlechterung durch CBD normal?
Eine sogenannte Erstverschlimmerung ist bei CBD nicht als notwendiger Teil der Wirkung belegt. Treten nach Beginn der Anwendung mehr Unreinheiten, Brennen, Juckreiz oder deutliche Rötungen auf, kann die Formulierung die Haut reizen oder für sie ungeeignet sein. In diesem Fall solltest du das Produkt zunächst absetzen, anstatt die Reaktion als Zeichen einer beginnenden Wirkung zu betrachten.
Wie lange dauert es, bis CBD bei Akne wirkt?
Ein wissenschaftlich belegter Zeitraum lässt sich nicht angeben. Es fehlen kontrollierte klinische Studien, die eine wirksame CBD-Dosis und die erforderliche Behandlungsdauer bei Akne bestimmen. Konkrete Versprechen wie eine sichtbare Verbesserung innerhalb weniger Tage oder Wochen sind daher nicht ausreichend belegt.
Autoren

Lea Hauke
LinkedInLea Hauke ist zweisprachige Texterin und Spezialistin für Lokalisierung (Deutsch/Englisch) mit Fokus auf klare und präzise Kommunikation in komplexen und regulierten Bereichen. Seit über fünf Jahren unterstützt sie internationale Unternehmen dabei, Inhalte für den DACH-Markt sprachlich und kulturell passend aufzubereiten.
Ihre Erfahrung umfasst unter anderem SaaS, Finanzen, Bildung sowie Inhalte für internationale Zielgruppen im deutschsprachigen Raum. Dabei arbeitet sie an der Schnittstelle von Copywriting und Transcreation, um Inhalte auch bei sensiblen Themen wie Gesundheit verständlich, vertrauenswürdig und markenkonform zu gestalten.
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