Cannabis bei Psoriasis: Was ist über die Wirkung bekannt?
Cannabis bei Psoriasis: Was ist über die Wirkung bekannt?

Autor
Lea Hauke

Kann CBD Juckreiz und Plaques bei Psoriasis lindern? Erste Untersuchungen liefern positive Signale, reichen aber noch nicht für eine klare Behandlungsempfehlung. Hinzu kommt, dass Laborversuche, oral eingenommene CBD-Öle und frei verkäufliche Cremes nicht miteinander gleichgesetzt werden können.
Hier erfährst du, was die möglichen Cannabis-Indikationen bei Psoriasis sind, was bisher untersucht wurde und welche Aussagen die Ergebnisse zu CBD bei Psoriasis tatsächlich erlauben.
Psoriasis verstehen: Was passiert in der Haut?
Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt, ist eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte Erkrankung. Fehlgeleitete Entzündungssignale beschleunigen die Bildung neuer Hautzellen erheblich: Während die Erneuerung der obersten Hautschicht normalerweise ungefähr 28 Tage dauert, geschieht sie bei Psoriasis innerhalb von etwa drei bis fünf Tagen. Die Hautzellen können nicht schnell genug ausreifen und abgestoßen werden. Sie sammeln sich an der Oberfläche und bilden die typischen verdickten, schuppenden Stellen.
Warum manche Menschen an Psoriasis erkranken, lässt sich nicht auf eine Ursache beschränken. Dazu gehören zum einen eine genetische Veranlagung, Veränderungen der Immunreaktion und verschiedene äußere Einflüsse. Infektionen, Hautverletzungen, Sonnenbrand oder bestimmte Medikamente können einen Schub auslösen oder bestehende Beschwerden verstärken. Solche Auslöser sind jedoch nicht bei allen Betroffenen gleich.

Welche Beschwerden kann Psoriasis verursachen?
Die Symptome, die bei Psoriasis auftreten, können sehr unterschiedlich sein. Manche Hautveränderungen verursachen kaum körperliche Beschwerden, andere jucken, brennen, schmerzen oder reißen bei Bewegung ein.
Am häufigsten entstehen klar begrenzte, verdickte Hautstellen, sogenannte Plaques, die von silbrigen Schuppen bedeckt sind. Auf heller Haut erscheinen sie häufig rosa bis rot, auf dunkler Haut können sie eher violett oder bräunlich aussehen.
Typische Stellen sind die Kopfhaut, Ellenbogen, Knie, der untere Rücken und die Gesäßfalte. Auch Hautfalten, der Genitalbereich und die Nägel können betroffen sein. Das kann im Alltag sehr einschränkend sein, da bereits die Wahl der Bettwäsche und Kleidung die Symptome verschlimmern kann.
Obwohl man bei Psoriasis zuallererst an Hautprobleme denkt, können die Symptome auch darüber hinausgehen. Bis zu 30 Prozent der Patient:innen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Psoriasis-Arthritis. Mögliche Anzeichen sind schmerzende oder geschwollene Gelenke, morgendliche Steifigkeit und eine eingeschränkte Beweglichkeit.
Solche Beschwerden sollten frühzeitig ärztlich abgeklärt werden, da eine anhaltende Gelenkentzündung bleibende Schäden verursachen kann.
Psoriasis: Typische Behandlung und Medikation
Ziel der Behandlung von Psoriasis ist es, Entzündung, Schuppung und Juckreiz möglichst weit zurückzudrängen und längere beschwerdearme Phasen zu erreichen. Dauerhaft heilen lässt sich Psoriasis bislang nicht.
Welche äußerlichen Behandlungen kommen infrage?
Bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis reicht meistens die äußere Behandlung mit rückfettenden Cremes und Salben aus. Diese sollen die Hautbarriere unterstützen und dafür sorgen, dass die Haut weniger austrocknet und schuppt.
Um die tieferliegende Entzündung zu behandeln, kommen meistens Cortison-Präparate und Vitamin-D-Abkömmlinge zum Einsatz. Kortison hemmt die Entzündung und kann Rötung und Juckreiz vergleichsweise schnell lindern. Welche Wirkstärke und Darreichungsform geeignet sind, richtet sich nach der betroffenen Körperstelle. Im Gesicht und in Hautfalten ist die Haut empfindlicher als beispielsweise an Ellenbogen oder Knien. Eine längerfristige Anwendung von Kortison sollte deshalb nach einem ärztlich festgelegten Schema erfolgen, damit die Haut nicht dünner wird.
Je nach Befund kommen weitere Wirkstoffe infrage, etwa Dithranol, Calcineurin-Hemmer oder andere entzündungshemmende Präparate. Für die Kopfhaut gibt es bestimmte Shampoos, die sich zwischen den Haaren leichter verteilen lassen.
Wann werden systemische Medikamente eingesetzt?
Was geschieht, wenn Cremes und Salben nicht ausreichen oder täglich so aufwendig werden, dass die Behandlung kaum noch durchzuhalten ist? Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis kann zunächst eine medizinisch überwachte UV-Lichttherapie infrage kommen. Reicht auch sie nicht aus, ist sie ungeeignet oder sind besonders belastende Körperstellen betroffen, können Medikamente eingesetzt werden, die im ganzen Körper wirken.
Zu den klassischen systemischen Wirkstoffen gehören unter anderem Methotrexat, Ciclosporin und Fumarsäureester. Daneben stehen zielgerichtete Medikamente zur Verfügung. Biologika blockieren bestimmte Entzündungsbotenstoffe wie TNF, Interleukin-17 oder Interleukin-23. Andere Wirkstoffe greifen als Tabletten in einzelne Signalwege der Immunreaktion ein.

Warum wird CBD bei Psoriasis erforscht?
Psoriasis lässt sich in vielen Fällen gut kontrollieren, aber bislang nicht heilen. Leider kann die Behandlung Beschwerden nicht ausreichend lindern und manche Patient:innen vertragen bestimmte Medikamente nicht. Deshalb wird weiter nach zusätzlichen Ansätzen gesucht. CBD ist dabei in den Blick der Forschung geraten, weil das körpereigene Endocannabinoid-System an mehreren Vorgängen beteiligt ist, die sich bei Psoriasis verändern und CBD auf dieses Einfluss nehmen kann.
In Untersuchungen an Zellkulturen zeigte CBD unter anderem Einflüsse auf entzündliche Botenstoffe und oxidativen Stress. Außerdem wurde beobachtet, dass CBD die starke Vermehrung bestimmter Hautzellen, der sogenannten Keratinozyten, beeinflussen kann.
Deren beschleunigte Neubildung trägt bei Psoriasis zur Entstehung verdickter Plaques und Schuppen bei. Der Review von Stanescu und Kolleg:innen beschreibt darüber hinaus mögliche Ansätze bei Juckreiz und gestörter Hautfeuchtigkeit.
Auch ein Review von Wroński und Kolleg:innen fasst zahlreiche Untersuchungen zu CBD und anderen pflanzlichen Cannabinoiden zusammen. Ein großer Teil dieser Forschung fand jedoch an isolierten Hautzellen, Gewebeproben oder Tieren statt. Dabei lässt sich beobachten, wie CBD einzelne biologische Prozesse verändert. Ob es dadurch auch sichtbare Plaques lindert oder die Erkrankung bei Patient:innen verbessert, bleibt eine andere Frage.
Was sagt die Forschung zu CBD bei Psoriasis?
Die bisherigen Untersuchungen liefern durchaus Gründe, CBD weiter zu erforschen. In Labor- und Tiermodellen beeinflusste es mehrere Vorgänge, die bei Psoriasis eine Rolle spielen, darunter Entzündungsreaktionen und die übermäßige Vermehrung von Hautzellen. Auch erste Untersuchungen mit Patient:innen berichten einzelne positive Ergebnisse. Noch lässt sich daraus jedoch nicht zuverlässig ableiten, ob CBD im Behandlungsalltag wirkt.
Ein Review von Stanescu und Kolleg:innen bewertet CBD deshalb als vielversprechenden Forschungsansatz. Gleichzeitig zeigt die Übersicht, wie unterschiedlich die bisher geprüften Produkte sind. Untersucht wurden unter anderem geschlucktes CBD-Öl, cannabinoidhaltige Öle, ein Shampoo und Präparate mit mehreren Inhaltsstoffen. Solche Ergebnisse lassen sich weder direkt miteinander vergleichen noch auf jedes frei verkäufliche CBD-Produkt übertragen.
Kann oral eingenommenes CBD die Psoriasis verbessern?
Die bislang aussagekräftigste Humanstudie untersuchte oral eingenommenes CBD bei 28 Menschen mit chronischer Plaque-Psoriasis. In der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie von Roongpisuthipong und Kolleg:innen erhielten die Teilnehmenden täglich entweder 60 Milligramm CBD-Öl oder ein Placebo.
Als wichtigsten Messwert verwendeten die Forschenden den Psoriasis Area and Severity Index, kurz PASI. Dieser berücksichtigt die Ausdehnung, Rötung, Verdickung und Schuppung der Hautveränderungen. Beim PASI schnitt CBD nicht signifikant besser ab als das Placebo. Die Studie zeigte somit nicht, dass die untersuchte CBD-Dosis die Schwere der Psoriasis insgesamt verringert.
Bei einzelnen Beschwerden gab es dennoch positive Signale. Nach acht Wochen berichtete die CBD-Gruppe über weniger Juckreiz. Auch die Einschlafzeit verkürzte sich zeitweise, wobei dieser Unterschied nicht anhielt. Diese Ergebnisse können bedeuten, dass CBD bestimmte Begleitbeschwerden beeinflusst, selbst wenn sich das Hautbild nicht deutlich verändert. Mit nur 28 Teilnehmenden ist die Studie allerdings zu klein, um das sicher zu beurteilen. Sie beweist weder eine allgemeine Wirksamkeit noch das Gegenteil.
Sind CBD-Cremes bei Psoriasis wirksam?
Auch zur äußerlichen Anwendung gibt es erste positive Beobachtungen. Der Review von Stanescu und Kolleg:innen beschreibt beispielsweise ein Shampoo mit Breitband-CBD, das 22 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Kopfhautpsoriasis zwei Wochen lang verwendeten. Rötung, Schuppung, Juckreiz und Brennen gingen zurück. Das Shampoo enthielt jedoch zusätzlich Ketoconazol und weitere Inhaltsstoffe. Außerdem fehlte eine Placebogruppe. Welchen Anteil CBD an der Veränderung hatte, bleibt daher offen.
In einer weiteren Beobachtung wurde ein CBD-CBG-Öl bei zwei Personen auf unterschiedliche Psoriasisstellen aufgetragen. Die höher konzentrierte Zubereitung ging mit einer stärkeren Verbesserung einher, während die niedrigere Konzentration keine erkennbare Wirkung zeigte.
Zwei Fälle ohne Kontrollgruppe reichen jedoch nicht aus, um natürliche Schwankungen, andere Behandlungen oder einen Placeboeffekt auszuschließen. Hinzu kommt ein einzelner Fallbericht zu äußerlich angewendeten THC-Produkten, bei dem ebenfalls eine Besserung beschrieben wurde.
Diese kleinen Untersuchungen passen zu den positiven Laborbefunden und rechtfertigen weitere klinische Studien. Sie belegen aber noch nicht, dass CBD-Cremes Psoriasis zuverlässig lindern.

Welche Nebenwirkungen können CBD-Produkte verursachen?
Auch CBD, das im Gegensatz zu THC keinen Rausch verursacht, kann Nebenwirkungen haben. Dabei gibt es jedoch einen großen Unterschied, ob CBD auf die Haut aufgetragen oder als Öl eingenommen wird.
Reagiert die Haut nach einer CBD-Creme mit stärkerem Brennen, Juckreiz oder neuen Rötungen, muss nicht unbedingt CBD selbst der Auslöser sein. Auch Duftstoffe, Konservierungsmittel, ätherische Öle oder die Grundlage der Creme können bereits gereizte Psoriasishaut zusätzlich fordern. Da äußerliche CBD-Produkte bisher kaum längerfristig untersucht wurden, lässt sich nicht sicher sagen, wie gut sie bei regelmäßiger Anwendung vertragen werden.
Bei einem CBD-Öl betrifft die Wirkung nicht nur die Haut. Das MSD Manual zu Cannabidiol nennt mögliche Beschwerden wie Mundtrockenheit, Durchfall, weniger Appetit, Benommenheit und Schläfrigkeit. Auch der Blutdruck kann sinken. Hinzu kommt, dass CBD die Leber belasten kann. Wer bereits eine Lebererkrankung hat oder Medikamente einnimmt, sollte ein CBD-Öl deshalb nicht ohne ärztliche Rücksprache verwenden.
Häufig gestellte Fragen zu Cannabis bei Psoriasis
Kann medizinisches Cannabis Psoriasis heilen?
Psoriasis ist eine chronische Erkrankung, die sich mit etablierten Therapien häufig gut kontrollieren, aber bislang nicht heilen lässt. Für medizinisches Cannabis oder CBD gibt es keinen Nachweis, dass sie die Erkrankung dauerhaft beseitigen oder erneute Schübe verhindern.
Kann Cannabis die Hautentzündung bei Psoriasis stoppen?
Das ist beim Menschen nicht belegt. Labor- und Tierstudien zeigen, dass CBD mehrere Entzündungsprozesse beeinflussen kann, die bei Psoriasis eine Rolle spielen. In einer kleinen placebokontrollierten Humanstudie verbesserte oral eingenommenes CBD die Schwere der Psoriasis jedoch nicht signifikant. Ob andere Dosierungen oder Anwendungsformen die Hautentzündung beeinflussen, ist damit weder bewiesen noch ausgeschlossen.
Hilft CBD gegen Juckreiz bei Psoriasis?
Möglicherweise, aber die bisherigen Daten reichen noch nicht für eine verlässliche Aussage. In der Studie mit 28 Patient:innen berichtete die CBD-Gruppe nach acht Wochen über weniger Juckreiz als die Placebogruppe. Da dies nur ein Ergebnis aus einer kleinen Untersuchung ist, muss es in größeren Studien bestätigt werden.
Sind frei verkäufliche CBD-Cremes bei Schuppenflechte wirksam?
Ihre Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen. Kleine Untersuchungen und Fallberichte beschreiben Verbesserungen nach der äußerlichen Anwendung cannabinoidhaltiger Produkte. Häufig fehlte jedoch eine Placebogruppe, oder die Produkte enthielten neben CBD weitere potenziell wirksame Bestandteile.
Kann Cannabis Kortison oder Biologika ersetzen?
Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Kortisonpräparate, Vitamin-D-Abkömmlinge, Biologika und andere Psoriasismedikamente wurden gezielt auf ihre Wirkung gegen die Erkrankung geprüft. Für CBD oder medizinisches Cannabis fehlt ein vergleichbarer Nachweis.
Eine bestehende Behandlung sollte deshalb nicht eigenständig reduziert oder abgesetzt werden. Auch weniger Juckreiz bedeutet nicht automatisch, dass die zugrunde liegende Entzündung ausreichend kontrolliert ist.
Hilft medizinisches Cannabis bei Psoriasis-Arthritis?
Für eine Behandlung der Gelenkentzündung gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis. In einer randomisierten Studie erhielten Menschen mit Handarthrose oder Psoriasis-Arthritis zwölf Wochen lang synthetisches CBD oder ein Placebo. CBD linderte die Schmerzen nicht besser als Placebo und verbesserte auch Schlaf, Stimmung oder Schmerzverarbeitung nicht signifikant.
Autoren

Lea Hauke
LinkedInLea Hauke ist zweisprachige Texterin und Spezialistin für Lokalisierung (Deutsch/Englisch) mit Fokus auf klare und präzise Kommunikation in komplexen und regulierten Bereichen. Seit über fünf Jahren unterstützt sie internationale Unternehmen dabei, Inhalte für den DACH-Markt sprachlich und kulturell passend aufzubereiten.
Ihre Erfahrung umfasst unter anderem SaaS, Finanzen, Bildung sowie Inhalte für internationale Zielgruppen im deutschsprachigen Raum. Dabei arbeitet sie an der Schnittstelle von Copywriting und Transcreation, um Inhalte auch bei sensiblen Themen wie Gesundheit verständlich, vertrauenswürdig und markenkonform zu gestalten.
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