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Mögliche Nebenwirkungen von Medizinal-Cannabis

Mögliche Nebenwirkungen von Medizinal-Cannabis

Redaktion Releaf – Medizinisches Cannabis Experten-Team

Autor

Redaktion Releaf

27.03.2026 8 Min. zum Lesen
Mögliche Nebenwirkungen von Medizinal-Cannabis

Pharmakologische Effekte von medizinischem Cannabis, individuelle Reaktionen sowie potenzielle Nebenwirkungen


Die Wirkung von medizinischem Cannabis kann von Person zu Person unterschiedlich ausfallen, da sie von individuellen Faktoren abhängt. Daher lassen sich unerwünschte Begleiterscheinungen, ähnlich wie bei anderen Medikamenten, nicht vollständig vermeiden. Der folgende Beitrag erläutert, wie Cannabis im Körper wirkt, welche Nebenwirkungen auftreten können und welche Aspekte im Umgang damit besonders beachtet werden sollten.


Wie wirkt medizinisches Cannabis?


Die Effekte von Cannabis entstehen durch seine Wechselwirkung mit dem Endocannabinoid-System (ECS). Dieses körpereigene Netzwerk von Rezeptoren und Botenstoffen ist an der Steuerung verschiedener biologischer Prozesse beteiligt, darunter beispielsweise der Wahrnehmung von Schmerzen, dem Schlaf-Wach-Rhythmus, dem Hungergefühl sowie der emotionalen Balance.


Das ECS setzt sich aus mehreren zentralen Komponenten zusammen:


  • Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) und 2 (CB2): Der CB1-Rezeptor befindet sich vor allem im zentralen Nervensystem (Gehirn und im Rückenmark), während der CB2-Rezeptor überwiegend auf den Zellen des Immunsystems sowie in verschiedenen Geweben außerhalb des zentralen Nervensystems lokalisiert ist.
  • Endocannabinoide: Bei Bedarf produziert der Körper körpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide), die den Pyhtocannabinoiden in der Cannabispflanze ähneln und ebenfalls an die Cannabinoid-Rezeptoren binden.
  • Enzyme: Den Auf- und Abbau der Endocannabinoide übernehmen verschiedene Enzyme.

(Phyto-)Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) können das ECS beeinflussen und entfalten ihre Wirkung, indem sie an die entsprechenden Cannabinoid-Rezeptoren andocken. Auf diese Weise können sowohl therapeutisch gewünschte Effekte als auch mögliche unerwünschte Reaktionen entstehen.


 Individuelle Wirkung von Cannabis


Individuelle Wirkung von Cannabis


Die Wirkung, sowohl positive als auch negative Effekte, unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren:2-6


  • Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt des Cannabispräparats: Die Wirkung wird maßgeblich durch die enthaltenen Wirkstoffe und deren Konzentration sowie weiterer Inhaltsstoffe (z. B. Terpene) beeinflusst.
  • Art der Anwendung: Die Anwendungsform hat großen Einfluss auf den Beginn, die Intensität und die Dauer der Wirkung. Bei der Inhalation über medizinische Verdampfer tritt die Wirkung in der Regel relativ schnell ein. Hingegen setzen die Effekte nach der Einnahme von Tropfen, Kapseln oder anderen oralen Darreichungsformen verzögert ein und halten häufig auch länger an.
  • Dosierung: Die eingenommene Wirkstoffmenge spielt eine entscheidende Rolle für die Stärke der Wirkung. Bereits kleine Unterschiede in der Dosierung können zu deutlich unterschiedlichen Effekten führen. Aus diesem Grund erfolgt die Dosierung bei medizinischer Anwendung in der Regel schrittweise und unter ärztlicher Begleitung, um eine individuell passende Menge zu finden.
  • Individuelle körperliche Voraussetzungen: Die Wirkung von Cannabis kann bei jedem Menschen unterschiedlich ausfallen. Verschiedene persönliche Faktoren (z. B. Körpergewicht, Stoffwechselrate, Lebensalter, der allgemeine Gesundheitszustand oder vorhandene Erkrankungen) beeinflussen, wie die enthaltenen Wirkstoffe im Körper aufgenommen und verstoffwechselt werden. Aus diesem Grund kann die Reaktion auf Cannabis individuell stark variieren.
  • Gewöhnung des Körpers (Toleranzentwicklung): Bei einer längerfristigen Anwendung kann sich der Körper teilweise an die Wirkstoffe gewöhnen. In solchen Fällen kann die wahrgenommene Wirkung bei gleicher Dosierung mit der Zeit geringer ausfallen. Eine Anpassung der Dosierung sollte jedoch immer in Absprache mit medizinischem Fachpersonal erfolgen.
  • Psychischer Zustand: Auch die aktuelle seelische Verfassung kann die Wirkung beeinflussen. Faktoren wie Stress, Anspannung, Müdigkeit oder eine insgesamt belastende Situation können das subjektive Erleben der Wirkung verändern.

Welche Nebenwirkungen kann medizinisches Cannabis verursachen?


Auch bei der Anwendung von medizinischem Cannabis können, wie bei anderen Medikamenten, unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten. Das ist oftmals zu Beginn der Therapie der Fall oder wenn die Dosierung noch angepasst wird. In der Regel sind diese jedoch nicht stark ausgeprägt und vorübergehend.


Welche Nebenwirkungen auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt vor allem von den zuvor genannten Faktoren ab. Möglich sind unter anderem folgende unerwünschte Effekte:


  • Müdigkeit bis hin zu Schläfrigkeit
  • Kreislaufprobleme (erhöhter Puls und/oder Schwindel)
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Trockener Mund
  • Veränderungen des Appetits

Neben körperlichen Reaktionen können durch Cannabis auch psychische Begleiterscheinungen auftreten:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Verminderte Reaktionsfähigkeit
  • Unruhe, Angstgefühle oder Panik
  • Veränderte Wahrnehmung
  • Stimmungsschwankungen
  • Paranoide Gedanken

Patient:innengruppen mit einem erhöhten Risiko


Einige Patient:innengruppen haben ein höheres Risiko, unerwünschte Reaktionen zu entwickeln, weshalb bei ihnen eine besonders engmaschige medizinische Betreuung erforderlich ist. Dazu gehören unter anderem:

  • Ältere Patient:innen: Mit zunehmendem Alter kann die Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten steigen. Veränderungen im Stoffwechsel, in der Kreislaufregulation sowie in der Funktion verschiedener Organe führen dazu, dass Arzneimittel teilweise stärker wirken. Dadurch können Beschwerden wie Müdigkeit, Schwindel oder Kreislaufprobleme deutlicher auftreten. Aus diesem Grund ist bei älteren Patient:innen eine besonders vorsichtige und schrittweise Dosiseinstellung wichtig.
  • Vorerkrankungen: Patient:innen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychischen Vorerkrankungen gelten ebenfalls als besonders sensibel gegenüber den Wirkungen von Cannabis. Der Wirkstoff THC kann unter anderem die Herzfrequenz erhöhen und das eigene Körperempfinden beeinflussen. Für Menschen mit Herzproblemen oder Angststörungen kann dies unter Umständen als unangenehm oder belastend wahrgenommen werden. Bei schweren psychischen Erkrankungen ist daher besondere Vorsicht geboten, da sich bestehende Beschwerden in einigen Fällen verstärken können.können.
  • Wechselwirkungen: Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten berücksichtigt werden, auch wenn sie sich in der Praxis meist gut kontrollieren lassen. Cannabis kann den Stoffwechsel bestimmter Arzneistoffe im Körper beeinflussen und damit deren Abbau verändern. Deshalb ist es wichtig, dass die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt über sämtliche eingenommenen Medikamente informiert wird.

Hilfsmaßnahmen bei Nebenwirkungen

Hilfsmaßnahmen bei Nebenwirkungen


Zu Beginn kann die Therapie für Patient:innen mit Cannabis auf Rezept in Bezug auf mögliche Nebenwirkungen zunächst Unsicherheit auslösen. Während der Phase der Dosiseinstellung treten jedoch häufig eher milde Beschwerden auf, wie zum Beispiel Müdigkeit, Mundtrockenheit, leichter Schwindel oder eine vorübergehende Veränderung der Wahrnehmung. In den meisten Fällen sind diese Reaktionen harmlos und lassen mit der Zeit wieder nach.


Sollten Beschwerden jedoch deutlich stärker ausfallen, länger anhalten oder als belastend empfunden werden, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen. Besonders bei ausgeprägter innerer Unruhe, Angstgefühlen, spürbaren Kreislaufproblemen, länger anhaltendem Herzklopfen oder einer merklichen Verschlechterung des psychischen Zustands sollte eine medizinische Abklärung erfolgen. Gleiches gilt, wenn neue Symptome auftreten oder Unsicherheiten im Umgang mit der verordneten Medikation bestehen.


Anpassung der medizinischen Cannabis-Therapie


Treten während der Behandlung mit medizinischem Cannabis Nebenwirkungen auf, kann die Therapie in vielen Fällen angepasst werden. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt dabei von der Art der Beschwerden und ihrer Intensität ab. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt können verschiedene Strategien einsetzen, um die Verträglichkeit der Behandlung zu verbessern.


Mögliche Anpassungen können beispielsweise sein:


  • Langsamere Steigerung der Dosierung, um dem Körper mehr Zeit zur Anpassung zu geben.
  • Reduzierung der einzelnen Wirkstoffmenge pro Einnahme.
  • Veränderung des Einnahmezeitpunkts, um beispielsweise Müdigkeit oder Schwindel im Alltag besser zu berücksichtigen.
  • Wechsel zu einer anderen Cannabissorte oder zu einem Präparat mit einem veränderten Verhältnis der Wirkstoffe THC und CBD

Durch solche Anpassungen lässt sich die Behandlung häufig besser auf die individuellen Bedürfnisse der Patientin oder des Patienten abstimmen. Ziel ist es dabei, eine möglichst gute therapeutische Wirkung bei gleichzeitig möglichst geringer Belastung durch Nebenwirkungen zu erreichen.


Veränderungen an der verordneten Medikation sollten niemals eigenständig vorgenommen werden. Anpassungen der Dosierung oder der Therapieform sollten stets in Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen.


Zusammenfassung


Medizinisches Cannabis wirkt über das (körpereigene) Endocannabinoid-System, das an der Regulation von Prozessen wie Schmerzempfinden, Schlaf, Appetit und emotionalem Gleichgewicht beteiligt ist. Die in Cannabis enthaltenen Wirkstoffe wie THC und CBD können an entsprechende Rezeptoren binden und dadurch therapeutische Effekte, aber auch unerwünschte Reaktionen hervorrufen.


Wie stark die Wirkung ausfällt, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Entscheidend sind unter anderem die Zusammensetzung des Präparats, die Dosierung, die Art der Anwendung sowie individuelle Faktoren.


Zu Beginn der Behandlung oder während der Dosiseinstellung können Nebenwirkungen auftreten, die jedoch in der Regel mild sind und nach kurzer Zeit wieder abklingen.


Patient:innen sollten stets das Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt suchen, damit ggf. eine Anpassung der Dosierung oder des Präparats erfolgen kann.


Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Auch stellt er weder eine Empfehlung zur Anwendung von Cannabis dar, noch ist mit ihm ein Versprechen einer bestimmten Wirkweise oder Heilungsform verbunden. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhalts wird keine Haftung übernommen.


Häufige Fragen


Was für Nebenwirkungen hat medizinisches Cannabis?


Da die Therapie mit Cannabis mit einer niedrigen Dosierung beginnt, sind stark ausgeprägte Nebenwirkungen eher selten. In der Regel fallen die Begleiterscheinungen mild aus und lassen mit zunehmender Behandlungsdauer nach, sobald sich der Körper an die Wirkstoffe gewöhnt hat.


Können Nebenwirkungen von Cannabis gefährlich sein?


Die Nebenwirkungen sind in den meisten Fällen eher leicht bis mittelgradig ausgeprägt und stellen gewöhnlich kein ernsthaftes Risiko dar. Typisch sind vorübergehende Reaktionen wie Müdigkeit, leichter Schwindel oder eine kurzfristig veränderte Wahrnehmung. Diese Effekte bilden sich häufig wieder zurück. Sollten Beschwerden jedoch ungewöhnlich stark sein, über längere Zeit bestehen bleiben oder Unsicherheit auslösen, ist eine ärztliche Abklärung ratsam.


Was tun bei Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis?


Ein Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ist anzuraten. Hier kann dann entschieden werden, ob eine Anpassungen der Therapie (z. B. Dosisanpassung oder Sortenwechsel) sinnvoll sind.


Birgt das sofortige Absetzen von medizinischem Cannabis Risiken?


Das Beenden einer Cannabis-Therapie ist in der Regel ohne größere Schwierigkeiten möglich. Dennoch empfiehlt es sich, ein Absetzen nicht eigenständig vorzunehmen, sondern vorher ärztlichen Rat einzuholen.


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