Medizinisches Cannabis bei Asthma als Therapieoption

Medizinisches Cannabis bei Asthma als Therapieoption

Redaktion Releaf – Medizinisches Cannabis Experten-Team

Autor

Redaktion Releaf

25.03.2026 7 Min. zum Lesen
Medizinisches Cannabis bei Asthma als Therapieoption

Aktuelle Studienlage zur Anwendung von medizinischem Cannabis bei Asthma


Der Einsatz von Medizinal-Cannabis bei Asthma ist wissenschaftlich nur unzureichend untersucht, weshalb cannabinoidbasierte Arzneimittel aktuell nicht zu den empfohlenen Behandlungsoptonen bei Asthma gehören. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die aktuelle Studienlage und mögliche potenzielle Vor- und Nachteile.


Was ist Asthma?


Die Bronchien sind ein weit verzweigtes System von Luftwegen in der Lunge und sind dafür verantwortlich, die eingeatmete Luft bis zu den Lungenbläschen zu transportieren. Bei der chronischen Erkrankung Asthma ist dieses System in seiner Funktionsweise verändert.


Kennzeichnend für die Erkrankung ist eine anhaltende Entzündungsbereitschaft der Bronchialschleimhaut. Dadurch befinden sich die Atemwege gewissermaßen in einem dauerhaft reizbaren Zustand. Die Schleimhaut der Bronchien kann anschwellen, die umgebende Muskulatur reagiert empfindlicher, und auch bei der Zusammensetzung der Atemwege kann es im Verlauf zu Veränderungen kommen.


Asthma kann sowohl im Kindesalter als auch erst im Erwachsenenalter auftreten und begleitet viele Betroffene über einen langen Zeitraum. Entsprechend spielt eine kontinuierliche medizinische Betreuung eine wichtige Rolle, um die Funktionsfähigkeit der Atemwege möglichst stabil zu halten.


Auch wenn Asthma derzeit nicht vollständig heilbar ist, lässt sich die Erkrankung in vielen Fällen gut kontrollieren. Mit einer passenden Behandlung und regelmäßiger ärztlicher Begleitung können viele Menschen mit Asthma ihren Alltag weitgehend normal gestalten.



Welche Symptome verursacht Asthma?


Welche Symptome verursacht Asthma?


Die Beschwerden bei Asthma betreffen vor allem die Atmung und können in sehr unterschiedlicher Form auftreten. Viele Betroffene beschreiben, dass sich das Atmen zeitweise deutlich schwerer anfühlt als gewöhnlich. Besonders beim Ausatmen kann ein pfeifendes oder rasselndes Geräusch entstehen, das durch die verengten Atemwege verursacht wird.


Häufig tritt zudem ein Gefühl von Enge oder Druck im Brustkorb auf. Manche Betroffene haben den Eindruck, als lasse sich die Luft nicht mehr vollständig aus den Lungen herauspressen. Auch Husten gehört zu den typischen Beschwerden und kann vor allem in den Nachtstunden oder am frühen Morgen verstärkt auftreten.


Bei stärker ausgeprägten Beschwerden kann die Atmung schneller oder flacher werden. Der Körper versucht dann, den eingeschränkten Luftfluss auszugleichen. Wie stark sich diese Symptome zeigen, ist sehr unterschiedlich. Während manche Menschen nur gelegentlich leichte Einschränkungen bemerken, erleben andere deutlich intensivere Phasen mit spürbarer Atemnot. Gerade dieses wechselhafte Auftreten der Beschwerden ist für Asthma charakteristisch.


Ursachen von Asthma


Die Entstehung von Asthma ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Einflüsse zusammenwirken, statt dass sich die Erkrankung auf eine einzelne Ursache zurückführen lässt:


  • Erbliche Veranlagung
  • Äußere Einflüsse wie verschiedene Umweltfaktoren
  • Allergene (z. B. Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare)
  • Störungen im Immunsystem

Welche Einflüsse im Einzelfall ausschlaggebend sind, kann jedoch sehr unterschiedlich sein.


Behandlung von Asthma


Die Behandlung von Asthma zielt darauf ab, die Atemwege dauerhaft stabil zu halten und die Funktionsfähigkeit der Lunge möglichst zu erhalten. Da die Erkrankung in der Regel über viele Jahre besteht, handelt es sich meist um eine langfristige Therapie, die regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst wird.


Im Mittelpunkt steht dabei die medikamentöse Behandlung. Viele der eingesetzten Wirkstoffe werden über Inhalationsgeräte verabreicht, sodass sie direkt in den Atemwegen wirken können. Dabei können unterschiedliche Präparate zum Einsatz kommen, die entweder langfristig oder bei Bedarf angewendet werden können.


Ebenso wichtig ist eine regelmäßige ärztliche Begleitung. Durch Kontrolluntersuchungen lässt sich beurteilen, ob die aktuelle Behandlung ausreichend wirkt oder ob Anpassungen erforderlich sind. Auf diese Weise kann die Therapie schrittweise auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden.


Studien zu Medizinal-Cannabis bei Asthma

Studien zu Medizinal-Cannabis bei Asthma


Bereits in den 1970er-Jahren rückte Cannabis in den Fokus der medizinischen Forschung, als mögliche therapeutische Ansätze für Erkrankungen der Atemwege untersucht wurden. In einer frühen Studie widmete sich ein Forschungsteam der Frage, welchen Einfluss das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) auf die Atemwege von Menschen mit Asthma haben könnte. Zu diesem Zweck erhielten die Teilnehmenden entweder Cannabisblüten zur Inhalation oder THC in Form von Tabletten. Im Anschluss wurde die Luftstromstärke in den Bronchien gemessen. Dies ist ein wichtiger Parameter, um beurteilen zu können, ob sich die Atemwege erweitern oder verengen.


Die Untersuchung ergab, dass sowohl inhaliertes THC als auch die oral eingenommene Form vorübergehend zu einer Erweiterung der Bronchien führten. In der Folge konnte die Atemluft leichter durch die Atemwege strömen. Besonders ausgeprägt zeigte sich dieser Effekt nach der Inhalation von Cannabis.


Diese Beobachtung galt damals als bemerkenswert, da Medikamente zur Erweiterung der Bronchien üblicherweise auf anderen pharmakologischen Mechanismen beruhen. Cannabis rückte daher zeitweise als möglicher alternativer Ansatz in den Blick der Forschung, auch wenn sich daraus zunächst keine etablierte Therapie entwickelte.


Studie zur potenziellen bronchienerweiternden Wirkung von THC


Forschende haben sich in den vergangenen Jahren erneut mit den Wirkstoffen der Cannabispflanze und ihren möglichen Effekten auf die Atemwege beschäftigt. Im Fokus stand dabei insbesondere THC und dessen Wechselwirkung mit dem Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB2), der auch im Lungengewebe vorkommt. Einige Untersuchungen legen nahe, dass die Aktivierung dieses Rezeptors durch THC mit einer Erweiterung der Bronchien in Verbindung stehen könnte.


Vor diesem Hintergrund entstand die Vermutung, dass eine gezielte Aktivierung dieses Rezeptors möglicherweise Einfluss auf die Atemwege nehmen könnte. Ein solcher Ansatz könnte theoretisch für Patientinnen und Patienten interessant sein, bei denen gängige bronchienerweiternde Medikamente nicht ausreichend wirken.


Bislang fehlen jedoch klinische Studien, die den Einsatz von THC bei Asthma unter kontrollierten medizinischen Bedingungen systematisch untersucht haben. Entsprechend ist THC in Deutschland derzeit nicht als Therapieoption für Asthma zugelassen, sodass Cannabis auf Rezept generell nicht verordnet wird.


Weitere Studien zu Cannabis bei Asthma

Weitere Studien zu Cannabis bei Asthma


In weiteren Studien sind Forschende zu interessanten Ergebnissen gekommen:

  • Eine Studie deutet darauf hin, dass THC bestimmte Nervenreaktionen in der Lunge abschwächen kann, die normalerweise zu einer Verengung der Atemwege führen. Ob sich daraus ein therapeutischer Nutzen ableiten lässt, ist jedoch bislang unklar.
  • Eine Langzeitstudie zeigte, dass bei geringer Anwendung von Cannabis ein leicht erhöhtes Lungenvolumen beobachtet wurde, ohne Hinweise auf eine dauerhafte Einschränkung des Luftstroms. Dies wird als möglicher Hinweis auf eine vorübergehende Erweiterung der Atemwege interpretiert. Bei langfristiger Anwendung in höheren Mengen traten hingegen negative Effekte auf, darunter ein verringertes Lungenvolumen.
  • In einer Studie wurden bei Asthma vermehrt sogenannte T-Helfer-2-Zellen in der Lunge nachgewiesen, die entzündliche Prozesse mitvermitteln; daraufhin wurde untersucht, ob CBD regulierend eingreifen kann. In einem Tierversuch führte die Gabe von CBD zu einer Verringerung entzündlicher Botenstoffe. Ob sich dieser Effekt auf den Menschen übertragen lässt, ist jedoch bislang ungeklärt und bedarf weiterer Forschung.

Zusammenfassung


Einige Untersuchungen lassen vermuten, dass THC vorübergehend zu einer Weitung der Atemwege beitragen kann, was grundsätzlich für Menschen mit Asthma von Interesse sein könnte. Eine belastbare Bewertung fehlt jedoch bislang, da es an umfassenden Studien mangelt.


Gleichzeitig ist die Anwendung über die Atemwege kritisch zu sehen, da inhalierte Bestandteile die Lunge zusätzlich reizen können. Auch Fragen zur sicheren Langzeitanwendung und zur geeigneten Dosierung sind bislang nicht abschließend geklärt.


Aus diesen Gründen gehört medizinisches Cannabis derzeit nicht zu den etablierten Behandlungsoptionen bei Asthma.


Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Auch stellt er weder eine Empfehlung zur Anwendung von Cannabis dar, noch ist mit ihm ein Versprechen einer bestimmten Wirkweise oder Heilungsform verbunden. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhalts wird keine Haftung übernommen.


Häufige Fragen


Kann medizinisches Cannabis bei Asthma helfen?


Die bisherige Studienlage lässt keine klare Empfehlung für den Einsatz von medizinischem Cannabis bei Asthma zu. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Inhaltsstoffe wie THC die Atemwege kurzfristig beeinflussen könnten, doch sind diese Ergebnisse nicht ausreichend abgesichert.


Welche Effekte können THC und CBD bei Asthma entfalten?


THC kann vermutlich über Cannabinoid-Rezeptoren Einfluss auf die Weite der Atemwege nehmen. CBD hingegen wird mit entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht, die sich möglicherweise auch auf die Atemwege auswirken. Beide Wirkstoffe könnten sich in ihrer Wirkung ergänzen, wobei ihre Effekte noch nicht abschließend geklärt sind.


Ist Cannabis gut für die Bronchien?


Ob Cannabis gut für die Bronchien ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass THC die Atemwege kurzfristig erweitern kann, gleichzeitig kann insbesondere die Inhalation die Bronchien reizen und die Lunge belasten. Insgesamt fehlt es an verlässlichen Studien, weshalb Cannabis aktuell nicht als geeignete Therapie für die Bronchien gilt.


Kann Cannabis Asthma lindern?


Ob Cannabis Asthma lindern kann, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Einzelne Hinweise sprechen dafür, dass bestimmte Wirkstoffe vorübergehend Einfluss auf die Atemwege nehmen könnten, ein gesicherter therapeutischer Nutzen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Daher wird Cannabis derzeit nicht als Behandlungsoption bei Asthma empfohlen.

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