Cannabis bei Krebs: Was ist über die Wirkung bekannt?
Cannabis bei Krebs: Was ist über die Wirkung bekannt?
Autor
Aya Sakr

Kann Cannabis bei Krebs helfen? Medizinisches Cannabis kann bei bestimmten Beschwerden während einer Krebstherapie eine Rolle spielen − am besten untersucht ist der Einsatz bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen, wenn die leitliniengerechte Standardtherapie nicht ausreichend wirkt.Für andere Beschwerden wie Krebsschmerzen, Appetitverlust oder Schlafprobleme ist die Studienlage deutlich uneinheitlicher. Wichtig ist deshalb die Unterscheidung: Cannabis kann in bestimmten Situationen eine begleitende Behandlung sein, ersetzt aber keine Krebstherapie.

Krebs und Krebstherapie verstehen
2023 erhielten laut Robert Koch-Institut rund 517.000 Menschen in Deutschland eine Krebsdiagnose. Je nach Tumorart und Krankheitsstadium kommen Operation, Strahlentherapie und medikamentöse Therapien zum Einsatz, dazu zählen unter anderem Chemotherapie, Immuntherapie sowie zielgerichtete und antihormonelle Behandlungen.
Die einzelnen Behandlungsverfahren können den Tumor gezielt angreifen oder das Fortschreiten der Erkrankung kontrollieren, sind je nach Therapie aber mit unterschiedlichen Belastungen und Nebenwirkungen verbunden. Die sogenannte Supportive Therapie begleitet die Behandlung mit dem Ziel, die Lebensqualität zu erhalten.
Die S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patient:innen gibt hierfür evidenzbasierte Empfehlungen zur Vorbeugung und Behandlung therapiebedingter Beschwerden.
Häufige Krebstherapien und Nebenwirkungen
Je nach Wirkstoff und Bestrahlungsregion können Krebsbehandlungen auch gesundes Gewebe beeinträchtigen, insbesondere sich schnell teilende Zellen wie die der Schleimhäute und der Blutbildung. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen unter anderem Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Fatigue und Mukositis, eine Entzündung der Schleimhäute, die neben Mund und Rachen auch andere Abschnitte des Magen-Darm-Trakts betreffen kann.
Manche Patient:innen entwickeln zudem eine chemotherapieinduzierte periphere Neuropathie mit Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen, häufig an den Händen und Füßen. Wie stark diese Nebenwirkungen ausfallen, hängt von der Therapieform, der Dosis und der individuellen Verfassung ab.
Auch Operationen bringen eigene Belastungen mit sich, etwa postoperative Schmerzen oder Wundheilungsprozesse. Immuntherapien können immunvermittelte Nebenwirkungen verursachen, die verschiedene Organe betreffen können. Da onkologische Behandlungspläne heute häufig mehrere Verfahren kombinieren, überlagern sich die jeweiligen Nebenwirkungen oft und erschweren die Symptomeinordnung im Alltag.
Die S3-Leitlinie Supportive Therapie unterscheidet Übelkeit nach dem Zeitpunkt des Auftretens: Akute Übelkeit und Erbrechen treten typischerweise innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Chemotherapie auf, von verzögerten Beschwerden spricht man bei einem Beginn danach. Antizipatorische Übelkeit kann bereits vor einer erneuten Behandlung als erlernte Reaktion auf frühere belastende Therapieerfahrungen auftreten. Diese Unterscheidung ist klinisch relevant, weil jede Form eine andere Herangehensweise erfordert.
Palliativmedizin und Symptomkontrolle
Palliativmedizin zielt nicht auf die Heilung der zugrunde liegenden Erkrankung, sondern auf die Linderung belastender Beschwerden und den Erhalt der Lebensqualität. Bei einer nicht heilbaren Krebserkrankung kann sie bereits frühzeitig parallel zu einer tumorgerichteten Behandlung eingesetzt werden und ist nicht auf die letzte Lebensphase beschränkt.
Im Mittelpunkt der S3-Leitlinie Palliativmedizin steht ein multidisziplinärer Ansatz aus ärztlicher, pflegerischer und psychosozialer Begleitung.
Eine frühzeitige palliativmedizinische Mitbetreuung kann die Lebensqualität verbessern und ist mit einer geringeren Symptomlast verbunden, auch wenn die Effekte nicht für jeden Endpunkt einheitlich ausfallen. Zum Team gehören neben Ärzt:innen häufig auch Pflegefachkräfte, Sozialarbeiter:innen, Seelsorger:innen und Psycholog:innen, die gemeinsam auf die individuelle Situation eingehen.
Konventionelle Supportivtherapie
Bei therapiebedingten Beschwerden kommen zunächst die jeweils leitliniengerechten Maßnahmen zum Einsatz. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der Art der Beschwerden, der Tumortherapie und individuellen Risikofaktoren ab.
Ziel der Supporttherapie ist es, Nebenwirkungen möglichst schon vorzubeugen, statt erst im Nachhinein zu reagieren. Deshalb wird die begleitende Behandlung meist bereits bei der Therapieplanung mitgedacht und individuell an das jeweilige Chemotherapie- oder Bestrahlungsschema angepasst.
Übelkeit und Erbrechen
Die antiemetische Prophylaxe richtet sich nach dem emetogenen Risiko der jeweiligen Tumortherapie, also danach, wie wahrscheinlich ein Medikament oder eine Bestrahlung Übelkeit auslöst. Je nach Risikostufe kommen Kombinationen aus 5-HT3-Rezeptorantagonisten, NK1-Rezeptorantagonisten, Dexamethason und gegebenenfalls Olanzapin zum Einsatz.
Die S3-Leitlinie Supportive Therapie gibt hierzu risikoadaptierte Empfehlungen. Die vorbeugende Behandlung wird entsprechend meist bereits vor Beginn der Chemotherapie verabreicht.
Schwieriger wird es bei sogenannter Durchbruchübelkeit, die trotz Standardprophylaxe auftritt, oder bei antizipatorischer Übelkeit, die schon vor der nächsten Chemositzung einsetzt. Beide Formen sprechen auf die üblichen Antiemetika oft schlechter an.
Appetitverlust und Gewichtsabnahme
Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust können bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen auftreten. Mediziner:innen sprechen ab einem bestimmten Ausmaß von einer Tumorkachexie, einem komplexen, multifaktoriellen Syndrom, das unter anderem durch Entzündungsprozesse, Stoffwechselveränderungen und den Verlust von Muskelmasse gekennzeichnet ist.
Medikamentöse Maßnahmen können in ausgewählten Situationen erwogen werden, ihre Wirksamkeit bei einer fortgeschrittenen Tumorkachexie ist jedoch begrenzt. Im Vordergrund stehen deshalb eine frühzeitige ernährungsmedizinische Beratung und ein individuell angepasstes Behandlungskonzept.
Die aktualisierte S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie setzt den Schwerpunkt auf eine individuelle Ernährungstherapie durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte, etwa durch Beratung, angereicherte Kost oder orale Trinknahrung. Empfehlungen zu medikamentösen Optionen wie Kortikosteroiden oder Progestinen wurden gegenüber der Vorversion deutlich eingeschränkt, da sich eine bereits fortgeschrittene Kachexie damit meist nicht vollständig umkehren lässt.

Cannabis-Forschung in der Onkologie
Die Evidenz für Cannabinoide unterscheidet sich je nach Anwendungsgebiet deutlich. Am besten untersucht ist ihr Einsatz bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen, wenn eine leitliniengerechte Antiemese nicht ausreichend wirksam ist. Für viele andere Beschwerden ist die Evidenz deutlich schwächer oder derzeit nicht ausreichend.
| Anwendungsbereich | Aktuelle Evidenzlage |
|---|---|
| Chemotherapie-bedingte Übelkeit und Erbrechen | Belegt als mögliche Rescue- oder Add-on-Option, wenn eine leitliniengerechte Antiemese nicht ausreichend wirkt |
| Krebsschmerzen bei unzureichender Wirkung von Opioiden | In bisherigen Studien kein überzeugender klinischer Zusatznutzen, eine kombinierte THC/CBD-Gabe kann laut deutscher Leitlinie im Einzelfall erwogen werden |
| Appetit und Gewicht bei Kachexie | Widersprüchlich, größte randomisierte Studie fand keinen Unterschied zu Placebo |
| Direkte Wirkung auf Tumorwachstum | Bislang nur präklinisch (Labor/Tiermodell); rechtfertigt keinen Einsatz als Krebstherapie |
Besonders uneinheitlich ist die Datenlage bei Krebsschmerzen. Etwa 30 bis 50 Prozent aller Menschen mit Krebs erleben im Krankheitsverlauf mittelstarke bis starke Schmerzen, und bei rund 10 bis 15 Prozent reichen Opioide allein nicht aus, um sie ausreichend zu lindern. Gerade für diese Gruppe wurde die Frage nach cannabisbasierten Arzneimitteln in den letzten Jahren mehrfach untersucht.
Ein Cochrane-Review von 2023 von Häuser und Kolleg:innen kommt jedoch zu einem ernüchternden Ergebnis: Bei moderater Evidenzsicherheit zeigten Nabiximols und reines THC keinen klinisch relevanten Nutzen bei Krebsschmerzen, die nicht ausreichend auf opioidhaltige Medikamente ansprechen. Auch für Nabilon bei Schmerzen im Rahmen einer Radiochemotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren fand sich, bei niedriger Evidenzsicherheit, kein Nutzen.
Die aktualisierte S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Onkologie lässt eine kombinierte Einnahme von THC und CBD dennoch als sogenannte Kann-Option zu, wenn eine Opioidtherapie nicht ausreichend wirksam ist. Diese offene Empfehlung mit dem niedrigsten Empfehlungsgrad bedeutet: Der Einsatz kann im Einzelfall erwogen werden, gilt aber nicht als belegter Standardansatz.
Antiemetische Wirkung von Cannabis
Cannabinoide können bei therapierefraktärer chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen zusätzlich zu einer leitliniengerechten Antiemese erwogen werden. Nabilon ist in Deutschland für diese Indikation als Arzneimittel zugelassen. Dronabinol kann als Rezepturarzneimittel verordnet werden.
Laut dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums können Cannabinoide chemotherapiebedingte Erbrechen und Übelkeit lindern, wenn gängige Standardtherapien nicht ausreichen. Sie ersetzen die Standardprophylaxe nicht, sondern ergänzen sie in dieser Situation.
Appetitanregung und Gewichtszunahme
Anders als oft angenommen, ist die Studienlage zur Appetitanregung durch Cannabis bei Krebs schwach. Die bislang größte randomisierte Studie der Cannabis-In-Cachexia-Study-Group verglich Cannabisextrakt, reines THC und Placebo bei 243 Patient:innen mit krebsbedingter Appetitlosigkeit.
Die Untersuchung ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei Gruppen hinsichtlich Appetit oder Lebensqualität und wurde deshalb vorzeitig beendet.
Eine frühere Vergleichsstudie der North Central Cancer Treatment Group an 469 Patient:innen zeigte zudem, dass Megestrolacetat bei krebsbedingter Appetitlosigkeit deutlich wirksamer war als Dronabinol allein: 75 Prozent der mit Megestrolacetat behandelten Personen berichteten eine Appetitverbesserung, gegenüber 49 Prozent unter Dronabinol. Auf Grundlage dieser Daten lässt sich Cannabis derzeit nicht als etablierte Therapie zur Behandlung von Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust bei Krebs empfehlen.
Präklinische Antitumor-Forschung
Zur Einordnung: Die folgenden Erkenntnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen. Sie belegen nicht, dass Cannabis Krebs beim Menschen heilen oder eine Tumortherapie ersetzen kann.
Laborstudien deuten an, dass Cannabinoide über CB1- und CB2-Rezeptoren Signalwege beeinflussen können, die am Zellwachstum und am programmierten Zelltod beteiligt sind. Diese Effekte wurden bislang überwiegend in Zellkulturen und Tiermodellen beobachtet.
Für einen klinisch relevanten antitumoralen Nutzen von Cannabis oder Cannabinoiden beim Menschen fehlen bislang belastbare klinische Studien. Die ASCO-Leitlinie von 2024 empfiehlt daher, Cannabis oder Cannabinoide außerhalb klinischer Studien nicht als gezielte Krebstherapie einzusetzen.

Spezifische Cannabinoide in der Krebsbehandlung
THC und CBD unterscheiden sich in ihren pharmakologischen Eigenschaften. Für die Behandlung onkologischer Beschwerden liegt jedoch nicht für jedes Cannabinoid oder jedes THC: CBD-Verhältnis ausreichende klinische Evidenz vor. Die Auswahl eines Arzneimittels sollte deshalb anhand der konkreten Indikation, der bisherigen Behandlung, möglicher Wechselwirkungen und der individuellen Verträglichkeit erfolgen, nicht anhand einer pauschalen Symptom-Sorten-Zuordnung.
THC bei Chemotherapie-Nebenwirkungen
THC kann über Cannabinoidrezeptoren unter anderem antiemetische und psychoaktive Wirkungen entfalten. Bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen kommen cannabinoidhaltige Arzneimittel jedoch nicht routinemäßig anstelle der Standardprophylaxe zum Einsatz, sondern können bei unzureichender Wirkung einer leitliniengerechten Antiemese als zusätzliche oder als Rescue-Therapie erwogen werden.
Bei cannabinoidhaltigen Arzneimitteln wird die Dosierung in der Regel individuell und unter ärztlicher Kontrolle titriert, da die psychoaktive Wirkung von Person zu Person unterschiedlich stark ausfällt. Je nach Präparat unterscheiden sich Wirkungseintritt und Wirkdauer: Inhalative Anwendungen wirken in der Regel schneller, während oral verabreichte Präparate später einsetzen, dafür aber häufig langer anhalten.
CBD bei Angst und Neuropathie
Eine randomisierte Studie des Dana-Farber Cancer Institute bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs fand beim primären Endpunkt keinen signifikanten Unterschied zwischen CBD und Placebo, jedoch einen Vorteil zugunsten von CBD bei einer sekundären Messung drei Stunden nach der Einnahme. Ein klinisch relevanter Nutzen bei krebsbedingten Angstzuständen ist damit insgesamt noch nicht ausreichend belegt.
Eine systematische Übersichtsarbeit zu Cannabinoiden bei chemotherapieinduzierter peripherer Neuropathie fand bislang nur drei kontrollierte Studien mit insgesamt 68 Teilnehmenden, die strenge Einschlusskriterien erfüllten. Die Datenbasis reicht damit nicht aus, um einen routinemäßigen Einsatz für diese Anwendung zu empfehlen.
Das Zusammenspiel von THC und CBD ist komplexer, als oft angenommen wird. Eine randomisierte Studie zeigte, dass CBD über eine Cytochrom-P450-vermittelte Wechselwirkung die Plasmakonzentration von THC erhöhen und dessen psychoaktive Wirkung sogar verstärken kann, ohne die analgetische Wirkung zu verbessern. Eine generelle Abschwächung der psychoaktiven THC-Effekte durch CBD lässt sich daraus also nicht pauschal ableiten.
Cannabis bei verschiedenen Krebsarten
Wie sinnvoll und sicher der Einsatz von Cannabis ist, hängt nicht nur vom Symptom, sondern auch von der Krebsart und dem Zustand des Immunsystems ab, insbesondere wenn eine intensive Therapie die körpereigene Infektabwehr schwächt oder eine bestimmte Verabreichungsform aus organspezifischen Gründen ungeeignet ist.
Hämatologische Krebserkrankungen
Bei bestimmten hämatologischen Erkrankungen wie Leukämien, Lymphomen oder dem multiplen Myelom können intensive Therapien mit ausgeprägter Immunsuppression und Mukositis einhergehen, wobei das Ausmaß je nach Regime und Erkrankung variiert.
Fachliteratur, unter anderem in Supportive Care in Cancer, weist auf ein mögliches Risiko mikrobieller Kontamination von Cannabisblüten hin, das für stark immunsupprimierte Patient:innen relevant sein kann. Bei ausgeprägter Immunsuppression sollte das Inhalieren unverarbeiteter Cannabisblüten, ob geraucht oder vaporisiert, deshalb vermieden beziehungsweise kritisch bewertet werden. Eine nicht inhalative Darreichungsform kann in solchen Situationen eine Alternative sein, die Auswahl sollte aber individuell ärztlich erfolgen.
Solide Tumore
Bei soliden Tumoren wie Brust-, Lungen- oder Darmkrebs richtet sich die praktische Anwendung vor allem nach Faktoren, die mit der jeweiligen Therapie oder dem betroffenen Organ zusammenhängen. Bei Lungenkrebs ist etwa die Wahl der Darreichungsform besonders wichtig: Cannabis sollte nicht geraucht werden, da Verbrennungsprodukte die ohnehin beanspruchten Atemwege und die Lunge zusätzlich belasten können.
Krebs-Supportivtherapie bei Releaf
Releaf bietet ärztlich begleitete Behandlungen mit medizinischem Cannabis an, unter anderem für Menschen mit onkologischen Erkrankungen. Bei einer Krebserkrankung sollte eine solche Behandlung nur ergänzend zur eigentlichen Krebstherapie und in enger Abstimmung mit dem behandelnden onkologischen Team erfolgen, damit medizinisches Cannabis auf Rezept sinnvoll in den bestehenden Behandlungsplan eingebettet wird.
Nach einem Erstgespräch legt das medizinische Team gemeinsam mit den Patient:innen eine Dosierung fest. Nach der ärztlichen Verordnung wird die Medikation über eine Partnerapotheke bereitgestellt, etwa über den medizinische Cannabis-Online-Shop. In Folgeterminen wird besprochen, ob eine Anpassung der Behandlung sinnvoll ist. Wer sich zusätzlich über die verschiedenen Cannabissorten informieren möchte, findet einen Überblick unter Cannabis Strains.
Mehr zu den möglichen Einsatzgebieten findest du auf unserer Seite zu medizinischen Cannabis zur onkologischen Begleittherapie.
Integration mit onkologischer Behandlung
THC und CBD werden in der Leber über verschiedene Enzymsysteme der Cytochrom-P450-Familie metabolisiert und können ihrerseits die Aktivität dieser Enzyme beeinflussen. Dadurch sind Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln möglich. Wie relevant diese im Einzelfall sind, hängt vom konkreten Cannabinoid-Präparat und der Begleitmedikation ab.
Bei einer laufenden Krebstherapie sollte deshalb die gesamte Medikation, einschließlich frei verkäuflicher Präparate, auf mögliche Wechselwirkungen geprüft werden. Am besten teilst du sowohl deinem onkologischen Behandlungsteam als auch deiner verordnenden Cannabis-Fachperson jede Änderung deiner Medikation mit. Besonders bei Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite, bei denen schon kleine Konzentrationsänderungen spürbare Folgen haben können, ist diese Abstimmung wichtig.
Praktische Anwendung für Krebspatient:innen
Zeitpunkt und Dosierung hängen vom verwendeten Präparat, der jeweiligen Symptomatik und der individuellen Verträglichkeit ab und sollten ärztlich festgelegt werden. Bei der Auswahl der Darreichungsform sollten unter anderem Wirkungseintritt, Wirkdauer, Verträglichkeit, mögliche Wechselwirkungen und die individuelle Situation berücksichtigt werden.
Fatigue ist bei Krebserkrankungen häufig und hat meist mehrere Ursachen. Die ASCO-Leitlinie stellt dazu fest, dass Fatigue bisher in keiner Studie als primärer Endpunkt untersucht wurde, weshalb keine belastbaren Daten dazu vorliegen, ob Cannabis krebsbedingte Fatigue verbessern kann. Da THC selbst Müdigkeit, Schwindel und Konzentrationsstörungen verursachen kann, sollte eine entsprechende Anwendung besonders sorgfältig abgewogen werden.
Ein Symptomtagebuch kann helfen, Wirkung und Nebenwirkungen über mehrere Therapiezyklen hinweg nachzuvollziehen und die Dosierung gemeinsam mit der ärztlichen Fachperson anzupassen.
Palliativpflege und Lebensende
Am Lebensende stehen die individuelle Symptomkontrolle, der Komfort und die Lebensqualität im Vordergrund. Eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt zu systematischen Reviews und prospektiven Beobachtungsstudien kommt zu dem Schluss, dass die Evidenz für Cannabinoide in der Schmerz- und Palliativmedizin insgesamt gering ist und teils deutlich hinter der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Wirksamkeit zurückbleibt.
Eine Anwendung kann im Einzelfall als ergänzende, symptomorientierte Maßnahme diskutiert werden, wenn etablierte Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend wirken und die möglichen Risiken berücksichtigt werden.
In dieser Phase steht meist nicht mehr die maximale Funktionsfähigkeit im Vordergrund, sondern Wohlbefinden und Würde. Deshalb werden Nutzen und mögliche Nebenwirkungen jeder Maßnahme, auch von Cannabis, besonders sorgfältig gegeneinander abgewogen.

Unterstützung für Angehörige
Eine Krebserkrankung betrifft nie nur die erkrankte Person allein. Angehörige übernehmen oft Pflegeaufgaben, organisieren Termine und stehen gleichzeitig unter eigener emotionaler Belastung.
Gerade wenn Cannabis neu in den Behandlungsplan aufgenommen wird, tauchen bei Angehörigen häufig Fragen auf: Wie wirkt sich die Behandlung auf Wachheit und Stimmung aus? Das BfArM rät insbesondere zu Beginn der Therapie sowie in der Findungsphase für die richtige Dosierung von einer aktiven Teilnahme am Straßenverkehr ab, da Müdigkeit, Schwindel oder eine eingeschränkte Reaktionsfähigkeit auftreten können. Offene Gespräche mit dem Behandlungsteam helfen, solche Unsicherheiten frühzeitig zu klären.
Aufklärung über Wirkung, mögliche Nebenwirkungen und realistische Erwartungen an eine Cannabistherapie kann Angehörigen helfen, die Behandlung besser zu begleiten und gemeinsam mit den Patient:innen informierte Entscheidungen zu treffen.
Häufig gestellte Fragen zu Cannabis bei Krebs
Kann Cannabis Chemotherapie-bedingte Übelkeit und Erbrechen lindern?
Cannabinoide können Chemotherapie-bedingtes Erbrechen und Übelkeit lindern, wenn eine leitliniengerechte Standardtherapie nicht ausreichend wirksam ist. Fachleute empfehlen sie in diesem Fall zusätzlich zur bestehenden Antiemetika-Therapie, nicht als Erstlinientherapie.
Hilft THC gegen Appetitverlust bei Krebs?
Die Studienlage dazu ist widersprüchlicher, als oft angenommen wird. Die größte randomisierte Studie zu diesem Thema fand keinen signifikanten Unterschied zwischen Cannabisextrakt, THC und Placebo bei Appetit oder Lebensqualität und wurde vorzeitig beendet. Eine individuelle ärztliche Einschätzung bleibt deshalb wichtig.
Wirkt Cannabis gegen Krebsschmerzen?
Für Krebsschmerzen, die trotz Opioidtherapie bestehen, zeigte der Cochrane-Review von 2023 keinen klinisch relevanten Nutzen von THC oder Nabiximols gegenüber Placebo. Die deutsche S3-Leitlinie Komplementärmedizin lässt eine kombinierte THC/CBD-Gabe in dieser Situation zwar als sogenannte Kann-Option zu, die Evidenz dafür bleibt aber begrenzt.
Kann Cannabis Krebszellen direkt bekämpfen?
Präklinische Labor- und Tierstudien deuten mögliche krebshemmende Effekte einzelner Cannabinoide an. Ein klinisch relevanter antitumoraler Nutzen beim Menschen ist bislang nicht belegt, weshalb Cannabis keine eigenständige Krebstherapie ersetzen kann und derzeit nicht als antitumorale Behandlung empfohlen wird.
Welche Nebenwirkungen kann Cannabis bei einer Krebstherapie haben?
Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, niedriger Blutdruck, Konzentrationsstörungen und bei höheren THC-Dosen auch Angstzustände oder psychische Belastung. Da Cannabinoide über Enzyme metabolisiert werden, die auch an der Verstoffwechselung anderer Medikamente beteiligt sein können, ist eine ärztliche Abstimmung mit dem Behandlungsteam wichtig.
Kann Cannabis bei Schlafproblemen während der Krebstherapie helfen?
Für Cannabinoide zur Behandlung von Schlafstörungen gibt es bislang keine ausreichende Evidenz speziell bei Krebspatient:innen. Studien aus anderen Patientengruppen deuten teilweise auf einen kleinen schlaffördernden Effekt hin, die Daten reichen jedoch nicht aus, um Cannabinoide als Standardtherapie bei Schlafproblemen während einer Krebstherapie zu empfehlen.
Kann sich bei langfristiger Cannabis-Anwendung eine Toleranz entwickeln?
Bei regelmäßiger und langfristiger Einnahme von THC-haltigen Cannabinoiden kann sich gegenüber bestimmten Wirkungen eine Toleranz entwickeln. Eine eigenständige Dosissteigerung sollte deshalb vermieden und die Behandlung stattdessen ärztlich überprüft werden, wobei Nutzen, Nebenwirkungen und das Risiko einer problematischen Nutzung oder Abhängigkeit gegeneinander abgewogen werden.
Wenn du prüfen möchtest, ob medizinisches Cannabis in deiner individuellen Situation infrage kommt, besprich das zunächst mit deinem behandelnden ärztlichen Team. Weitere Informationen zur ärztlichen Begleitung bietet medizinisches Cannabis in Deutschland bei Releaf.
Autoren
Aya Sakr
Aya Sakr ist freiberufliche Übersetzerin und Copywriterin für internationale Marken und Unternehmen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht immer, komplexe Themen in klare, zielgruppengerechte und leicht verständliche Texte zu verwandeln – sprachlich präzise und abgestimmt auf die jeweilige Markenstimme. Mit fundiertem akademischem Hintergrund in Germanistik sorgt sie für überzeugenden Content, der Leser:innen begeistert und die Unternehmensziele optimal unterstützt.
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