Cannabis am Arbeitsplatz: Rechte & Pflichten von Unternehmen & Patient:innen
Cannabis am Arbeitsplatz: Rechte & Pflichten von Unternehmen & Patient:innen

Autor
Birgit Spalt-Zoidl

Als Cannabis-Patient:in bist du grundsätzlich vor Diskriminierung wegen verschreibungspflichtiger Medikamente am Arbeitsplatz geschützt – dennoch gibt es bestimmte Regeln, an die du dich halten musst.
Datenschutzgesetze und das allgemeine Arbeitsrecht schützen dich zwar, dennoch gibt es bestimmte Bereiche wie zum Beispiel die Medizin oder das Transportwesen, in denen die Vorschriften zu medizinischem Cannabis am Arbeitsplatz aus Sicherheitsgründen sehr streng sind. Außerdem sind Arbeitgeber:innen durchaus im Recht, wenn sie beispielsweise den Cannabiskonsum während der Arbeitszeit oder am Betriebsgelände verbieten.
In diesem Artikel schauen wir uns die Rechtslage zu Cannabis am Arbeitsplatz inklusive der Rechte und Pflichten von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden etwas genauer an.
Rechtslage in Deutschland für Cannabis am Arbeitsplatz
Im Allgemeinen gilt seit der Legalisierung von Cannabis in Deutschland, dass medizinisches Cannabis auch am Arbeitsplatz beziehungsweise während der Arbeitszeit erlaubt ist. Der entscheidende Faktor ist hierbei allerdings, ob du nach dem Cannabiskonsum noch voll arbeitsfähig bist.
Da sich Cannabis und insbesondere das darin enthaltene THC auf die Leistungsfähigkeit auswirken kann – es verursacht etwa Schläfrigkeit, Reaktionsverzögerungen oder Koordinationsprobleme – könnten durch den Cannabiskonsum Sicherheitsrisiken entstehen.
Mögliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit nach Cannabiskonsum:
- Verringerte Aufmerksamkeit und Konzentrationsschwierigkeiten
- Verzögerte Reaktionsfähigkeit
- Einschränkung der motorischen Fähigkeiten
- Fehlentscheidungen durch falsche Wahrnehmung
- Müdigkeit, innere Unruhe, Angstgefühle
Diese bekannten Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis können die Arbeitsfähigkeit beeinflussen, was bei der Frage nach der Legalität von Cannabis am Arbeitsplatz immer der entscheidende Faktor ist.

Rechte und Pflichten von Arbeitnehmenden
Auch wenn du durch das Arbeitsschutzgesetz grundsätzlich geschützt bist, gilt das nur, solange du auch nach dem Konsum deines Medizinalcannabis noch uneingeschränkt arbeitsfähig bist und durch etwaige Beeinträchtigungen keine Sicherheitsrisiken entstehen.
Du bist zwar nicht dazu verpflichtet, deine:n Arbeitgeber:in über das dir verschriebene Cannabis zu informieren, es ist aber oft eine gute Idee, es freiwillig zu tun: In einem gut vorbereiteten, sachlichen Gespräch lassen sich häufig gute Lösungen finden, die für beide Parteien passen. Wenn durch das medizinische Cannabis zum Beispiel die Sicherheit am Arbeitsplatz beeinträchtigt wird, könnten deine Arbeitszeiten angepasst werden oder es wird gemeinsam nach einem alternativen Einsatzbereich für dich gesucht.
Rechtlich geschützt ist die Einnahme deines verschriebenen Medikaments an sich – nicht automatisch deine Arbeitsleistung währenddessen. Das heißt: Eine Kündigung wegen der Cannabistherapie selbst ist unzulässig. Eine Kündigung wegen mangelnder Arbeitsfähigkeit oder entstehender Sicherheitsrisiken ist es hingegen nicht – unabhängig davon, wodurch diese verursacht werden.
Rechte und Pflichten von Arbeitgebenden
Arbeitgebende haben bestimmte Pflichten, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit am Arbeitsplatz für dich und andere. Auch wenn es kein generelles gesetzliches Verbot für Cannabis am Arbeitsplatz gibt, haben viele Unternehmen eigene Richtlinien diesbezüglich entwickelt, um die Sicherheit für alle zu gewährleisten.
Besonders gilt das für Berufe mit hohen Sicherheitsanforderungen wie dem Medizinbereich und der Pflege, oder wenn du zum Beispiel Maschinen bedienst oder am Verkehr teilnimmst. In diesen Bereichen ist das Risiko, dich und andere zu gefährden, und somit auch die Verantwortung besonders hoch, und zumeist gilt hier – ähnlich wie auch bei Alkohol – eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Cannabis am Arbeitsplatz.
Mögliche Richtlinien bezüglich Cannabis am Arbeitsplatz könnten zum Beispiel Folgende sein:
- Am Betriebsgelände darf Cannabis nicht oder nur eingeschränkt konsumiert werden.
- Um Rufschäden zu vermeiden, dürfen Mitarbeitende außerhalb der Arbeitszeit kein Cannabis konsumieren, solange sie die Betriebskleidung tragen.
- Um die Sicherheit zu gewährleisten, müssen Mitarbeitende nüchtern zur Arbeit kommen und dürfen demnach auch vor Arbeitsbeginn kein Cannabis konsumieren.
Mit diesen und ähnlichen Vorschriften sind Arbeitgebende im Recht und du musst dich als Cannabis-Patient:in immer an diese betrieblichen Vorgaben halten, um keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu riskieren.
Drogentests am Arbeitsplatz: Rechte und Grenzen
Grundsätzlich gilt, dass Drogentests am Arbeitsplatz nur dann legal sind, wenn du als Patient:in einwilligst. Eine Ausnahme bilden gesetzlich geregelte Bereiche wie Luftfahrt und Bahnverkehr, wo regelmäßige Tests ohne individuelle Zustimmung vorgeschrieben sein können. Arbeitgeber:innen dürfen einen Drogentest nicht gegen deinen Willen durchführen. Wenn jedoch ein begründeter Verdacht vorliegt und du den Drogentest verweigerst, kann das arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.
Pauschale Routinetests sind für die meisten Arbeitnehmenden nicht legal, auch wenn sie in der Betriebsvereinbarung festgelegt sind. Außerdem darfst du als Patient:in nicht wegen deiner medizinischen Behandlung benachteiligt oder diskriminiert werden – das gilt für medizinisches Cannabis ebenso wie für andere verschreibungspflichtige Medikamente.
Wenn jedoch ein berechtigter Verdacht besteht oder die Arbeitssicherheit potenziell gefährdet ist, dürfen Arbeitgebende einen Drogentest verlangen. Wenn dieser positiv ist und somit fehlerhafte, gefährliche oder unzuverlässige Arbeit mit dem Cannabiskonsum in Verbindung gebracht wird, kann das arbeitsrechtliche Konsequenzen für dich haben und auch zur Kündigung führen. Dasselbe gilt bei berechtigtem Verdacht, wenn du den Drogentest verweigerst.
Wende dich bei Fragen am besten an auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwält:innen.

Sonderfall: Berufe mit erhöhtem Sicherheitsrisiko
Wie bereits angedeutet sind die Regeln für Cannabis am Arbeitsplatz bei Berufen mit besonders hohen Sicherheitsrisiken deutlich strenger. Das liegt daran, dass sich das im Cannabis enthaltene THC auf deine Arbeitsfähigkeit auswirken kann, wodurch das Gefahrenpotenzial steigt.
Auch wenn jeder Mensch unterschiedlich auf Cannabis reagiert, sind die eingangs beschriebenen Effekte von Cannabis auf die geistigen Fähigkeiten real und können am Arbeitsplatz dich selbst, andere oder das Unternehmen gefährden. Aus diesem Grund gelten für Berufe wie die Folgenden besonders strikte Regeln im Hinblick auf Cannabis am Arbeitsplatz, auch wenn dieses ärztlich verschrieben wurde:
- Medizinbereich – Ärzt:innen, Pflegekräfte, Chirurg:innen und jegliches medizinisches Fachpersonal, das vorwiegend mit Patient:innen arbeitet, …
- Bauwesen & Produktion – Bauarbeiter:innen, Dachdecker:innen, Gerüstbauer:innen, Baumaschinenführer:innen, …
- Transport – Fahrer:innen im öffentlichen Verkehr, LKW-Fahrer:innen, Pilot:innen, Flugbegleiter:innen, Bahnfahrer:innen, …
- Sicherheitskräfte – Polizei, Feuerwehr, Sicherheitsdienst, …
- Fertigung & gefährliche Anlagen – Mitarbeiter:innen in der Produktion, Laboren, Kraftwerken, Hochspannungsanlagen, …
In diesen Berufen sind auch die Regeln für Drogentests strenger und dürfen mit begründetem Verdacht sowie – anders als im Normalfall – teilweise auch routinemäßig, etwa in Luftfahrt und Bahnverkehr, durchgeführt werden.
Praktische Tipps für Cannabis-Patient:innen
Wenn bei dir eine Cannabistherapie im Raum steht, solltest du dich auf jeden Fall um die folgenden Dinge kümmern:
- Ärztlicher Rat: Besprich deine Berufstätigkeit und etwaige Auswirkungen der Cannabismedikation mit deinem:deiner behandelnden Arzt:Ärztin.
- Gesetzliche & betriebliche Vorschriften: Informiere dich eingehend über die gesetzlichen und betrieblichen Vorschriften bezüglich Cannabis an deinem Arbeitsplatz und halte dich an alle Regeln.
- Rechtsbeistand: Wende dich bei Fragen an eine:n auf Arbeitsrecht spezialisierte:n Anwalt:Anwältin und bei Problemen zusätzlich an den Betriebsrat und die Gewerkschaft.
Allgemein gilt, dass eine Cannabistherapie mit der Berufstätigkeit durchaus kompatibel ist, wenn du dein medizinisches Cannabis verantwortungsvoll konsumierst.
Cannabisbehandlung für den Arbeitsplatz optimieren
Ärzt:innen haben verschiedene Möglichkeiten, deine Cannabistherapie so anzupassen, dass sie gut mit deinem Beruf vereinbar ist. Mögliche Stellschrauben sind zum Beispiel:
- Zeitpunkt der Medikation: Manchmal ist es möglich, den Zeitpunkt der Cannabis-Einnahme so zu wählen, dass die Wirkung bis zum Arbeitsbeginn abgeklungen ist.
- Alternative Medikation: Möglicherweise ist eine andere Medikation oder eine andere Darreichungsform besser mit deinem Beruf vereinbar als Cannabisblüten. CBD-Produkte sind oft eine interessante Alternative, aber auch andere Medikamente können eine gute Wahl sein.
- Optimierte Dosierung: Ärzt:innen folgen bei der Cannabistherapie eigentlich immer dem „Start low, go slow“-Ansatz, beginnen also mit einer niedrigen Dosierung, die möglicherweise noch keine kognitiven Auswirkungen hat, Beschwerden aber schon lindert. In solchen Fällen kann ein ärztliches Attest, das die Arbeitsfähigkeit bestätigt, hilfreich sein.
Besprich deine Bedenken und potenzielle Probleme eingehend mit deinem:deiner Arzt:Ärztin, damit er:sie die beste Behandlungsmöglichkeit für dich finden kann.
Dokumentation und Nachweise
Wenn deine Ärzt:innen sich für eine Cannabistherapie entschieden und dir ein Cannabis-Rezept ausgestellt haben, solltest du unbedingt darauf achten, alles genau zu dokumentieren. So bist du vorbereitet, wenn der Cannabiskonsum zu Problemen am Arbeitsplatz führt, und kannst die medizinische Notwendigkeit belegen.
Dokumentiere deinen Therapieplan, halte alle ärztlichen Bescheinigungen und Atteste aktuell, trag deinen Cannabis-Ausweis immer bei dir und bewahre das Medizinalcannabis in der Originalverpackung der Apotheke auf.
Solltest du dich dazu entscheiden, deine Cannabistherapie dem:der Arbeitgeber:in offen zu legen – oder aufgrund deines Tätigkeitsfelds dazu verpflichtet sein – wirst du diese Nachweise brauchen.
Im Problemfall: Rechtsbeistand hinzuziehen
Wenn du dich an alle Regeln hältst, sollte es normalerweise keine Probleme mit medizinischem Cannabis am Arbeitsplatz geben – vor allem nicht, wenn du dich an alle Vorschriften hältst und dein Cannabis verantwortungsvoll konsumierst.
Wenn es wider Erwarten doch zu Problemen kommt, wende dich umgehend an eine:n Rechtsanwalt:anwältin. Möglicherweise ist es auch eine gute Idee, den Betriebsrat einzubeziehen und dich mit der Gewerkschaft in Verbindung zu setzen.
Wenn du dich korrekt verhalten und dir nichts zuschulden kommen hast lassen, sollte das Problem schnell aus der Welt geschaffen sein, insbesondere, wenn du alle nötigen Nachweise erbringen und die medizinische Notwendigkeit für die Cannabistherapie belegen kannst.
Hinweis: Auch wenn du nicht dazu verpflichtet bist, deine Cannabistherapie offenzulegen, kann ein gut vorbereitetes, sachliches Gespräch im Vorfeld Probleme verhindern, bevor sie entstehen. Durch ärztliche Atteste kannst du die medizinische Notwendigkeit nachweisen und dir gemeinsam mit deinem:deiner Arbeitgeber:in einen Handlungsplan zurechtlegen. Offene Kommunikation hilft dabei, Vertrauen aufzubauen und schafft Verständnis. Überleg dir, ob das für dich eine Option ist.

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Häufige Fragen rund um Cannabis am Arbeitsplatz
Darf ich mit medizinischem Cannabis arbeiten gehen?
Ja, aber nur, wenn deine Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist. Das wichtige beim Thema medizinisches Cannabis am Arbeitsplatz ist nicht der tatsächliche Konsum, sondern die Frage, ob du deine Arbeit sicher, zuverlässig und fehlerfrei erledigen kannst.
Dennoch gibt es bestimmte Vorschriften und möglicherweise betriebliche Regeln, die du beachten musst, und auch bei Berufen mit erhöhtem Sicherheitsrisiko wie beispielsweise im Medizinbereich, am Bau oder bei Transporttätigkeiten gelten strengere Maßstäbe.
Muss ich meine:n Arbeitgeber:in über meine Cannabistherapie informieren?
Nein, du bist nicht dazu verpflichtet, medizinische Informationen zu teilen, sofern dein Cannabiskonsum die Sicherheit am Arbeitsplatz nicht negativ beeinflusst. Wenn die Cannabistherapie deine Arbeitstüchtigkeit beeinflusst sowie bei Berufen mit erhöhtem Sicherheitsrisiko gelten allerdings andere Regeln.
Kann mein:e Arbeitgeber:in einen Drogentest verlangen?
Ja, vor allem bei einem begründeten Verdacht und in sicherheitsrelevanten Bereichen dürfen Arbeitgebende Drogentests verlangen. Du darfst den Drogentest zwar verweigern, musst dann aber möglicherweise mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Welche Risiken gehe ich ein, wenn ich in der Arbeit Cannabis konsumiere?
Cannabiskonsum während der Arbeitszeit können zu Abmahnungen, einer Suspendierung und unter Umständen sogar zu einer Kündigung führen – auch wenn dir das medizinische Cannabis im Zuge einer ärztlichen Behandlung verschrieben wurde.
Arbeitgebende dürfen beispielsweise den Konsum von (medizinischem) Cannabis am Betriebsgelände und während der Arbeitszeit verbieten. Außerdem musst du die Arbeitsfähigkeit und die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten, was unter Umständen nicht immer möglich ist, wenn du eine Cannabistherapie erhältst.
Welche Berufe sind bei einer Cannabistherapie problematisch?
Bei bestimmten Berufen sind die Sicherheitsrisiken für dich selbst, andere, oder das Unternehmen besonders groß, sodass bei ihnen in der Regel eine Null-Toleranz-Politik bezüglich Cannabis am Arbeitsplatz verfolgt wird.
Darunter sind zum Beispiel der Ärzt:innen und anderes medizinisches Fachpersonal, Bauarbeiter:innen und Angestellte in der Produktion, Transportberufe wie Fahrer:innen im öffentlichen Verkehr oder Pilot:innen, Sicherheitskräfte wie Polizei oder die Feuerwehr, aber auch Angestellte in Laboren, Kraftwerken oder Hochspannungsanlagen.
Können Cannabis-Patient:innen arbeitsunfähig geschrieben werden?
Ja, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist möglich, wenn deine Grunderkrankung oder die Nebenwirkungen der Cannabisbehandlung die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen.
Wie können Arbeitgebende und Arbeitnehmende Konflikte vermeiden?
Wenn du ein Vertrauensverhältnis mit deinem:deiner Arbeitgeber:in hast, kann offene Kommunikation zu deiner Cannabistherapie eine gute Lösung sein, um Konflikte zu vermeiden – vor allem zu Beginn der Behandlung, wenn du erst richtig eingestellt wirst.
Ärzt:innen können deine Arbeitsfähigkeit bescheinen und wir hier bei Releaf Deutschland beraten dich zu den Aspekten deiner Cannabistherapie, die am Arbeitsplatz relevant sind.
Autoren

Birgit Spalt-Zoidl
LinkedInBirgit Spalt-Zoidl ist Übersetzerin, Copywriterin und Tone-of-Voice-Beraterin für große und kleine Firmen. Im Zentrum steht bei ihren Texten und Übersetzungen immer, dass sie für die Leser:innen gut verständlich sind und die Inhalte zu den Zielen sowie der Markenstimme des jeweiligen Unternehmens passen. Sie schreibt leicht lesbare Texte und bereitet komplexe Sachverhalte so auf, dass sie greifbar und klar werden.
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