Alles über CBD-Extrakte und ihre medizinische Anwendung
Alles über CBD-Extrakte und ihre medizinische Anwendung

Autor
Birgit Spalt-Zoidl

CBD ist bestimmt das bekannteste Cannabinoid neben THC. Auch wenn beide Wirkstoffe das menschliche Endocannabinoid-System beeinflussen, gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen ihnen: Während THC eine berauschende Wirkung hat, fehlt dieser psychoaktive Effekt bei CBD.
Genau das ist auch einer der entscheidenden Gründe, warum CBD für viele so interessant ist und auch in der Medizin intensiv erforscht wird: Durch seine Wirkung auf das zentrale Nervensystem hat CBD ein hohes therapeutisches Potenzial, kommt dabei aber ohne die bisweilen stark einschränkenden Nebenwirkungen des psychoaktiven THC aus.
Dennoch gibt es bisher wenig wissenschaftlich fundierte Einsatzmöglichkeiten für CBD, da dieser Wirkstoff erst seit relativ kurzer Zeit mehr Aufmerksamkeit bekommt. Einige etablierte Einsatzmöglichkeiten von CBD gibt es aber auch heute schon – und das hier medizinisch eingesetzte CBD stammt meistens aus CBD-Extrakten, welche dann beispielsweise zu CBD-Öl, CBD-Kapseln, CBD-Sprays oder auch Arzneimitteln wie Epidyolex weiterverarbeitet werden.
Ein CBD-Extrakt ist also nichts, womit du als Patient:in direkt zu tun hast, sondern vielmehr ein Zwischenprodukt, aus dem CBD-Präparate hergestellt werden. Bevor wir nun genauer auf CBD-Extrakte eingehen, werfen wir einen Blick auf den Wirkstoff, um den sich dabei alles dreht.
CBD (Cannabidiol) im Profil
CBD wird auch Cannabidiol genannt und ist wie THC ein aus der Cannabispflanze gewonnenes Cannabinoid. Diese Gruppe von Stoffen heißt Cannabinoide, weil sie auf das Endocannabinoid-System im menschlichen Körper wirken und dadurch verschiedene physiologische Prozesse beeinflussen können. Das Endocannabinoid-System steuert beispielsweise die Schmerzverarbeitung, Entzündungsreaktionen, die Stimmung, den Schlaf und auch unseren Appetit.
Wirkung im Körper
Wenn CBD dem Körper zugeführt wird – etwa durch Inhalieren, oral als Kapsel oder Flüssigkeit oder auch sublingual mit Tropfen, die unter die Zunge gegeben werden – wirkt es im Endocannabinoid-System. Dabei spielen die vielgenannten CB1- und CB2-Rezeptoren des Systems bei CBD im Vergleich zu THC eine vernachlässigbare Rolle. Vielmehr wirkt CBD im Endocannabinoid-System auf Ionenkanäle in der Zellmembran, Enzyme und andere Rezeptoren.
Die genauen Wirkmechanismen sind allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Konkrete, wissenschaftlich belegte Aussagen gibt es wenige, da die Studienlage nach wie vor relativ dünn ist und vorhandene Studien oft an Tieren durchgeführt wurden oder große Mängel aufweisen.
Dennoch herrscht in der Medizin großes Interesse an CBD: Immer wieder werden entkrampfende, entzündungshemmende und angstlösende Effekte beschrieben und auch gegen Übelkeit soll es gut wirken. Da jedoch nicht alle Wirkmechanismen und auch die Sicherheit einer Therapie mit CBD nicht ausreichend wissenschaftlich belegt sind, findet CBD heute noch nicht häufig Anwendung in der Medizin. Dazu gibt es einige wenige Ausnahmen, auf die wir am Ende des Artikels noch eingehen werden.

Was sind CBD-Extrakte?
Bei einem CBD-Extrakt handelt es sich um einen aus der Cannabispflanze gewonnenen Auszug zur Herstellung von CBD-Arzneimitteln. Es gibt dabei zwei Arten:
- CBD-Extrakte mit standardisiertem Wirkstoffgehalt, die neben CBD auch geringe Mengen THC (unter 1 %) sowie Terpene und andere Pflanzenstoffe enthalten können.
- CBD-Isolate, die außer CBD keine anderen Stoffe enthalten.
Apotheken und Arzneimittelhersteller entscheiden, ob für ihren Zweck ein CBD-Extrakt mit standardisiertem Wirkstoffgehalt oder ein CBD-Isolat besser geeignet ist.
So werden CBD-Extrakte hergestellt
Für die Herstellung von CBD-Extrakten wird in den meisten Fällen Nutzhanf verwendet: Dieser enthält das psychoaktive THC nur in sehr geringen Mengen. Es gibt 2026 über 100 Sorten Nutzhanf, die in der EU legal angebaut werden dürfen. Die häufigste Herstellungsmethode für CBD-Extrakte, welche die Basis für CBD-Produkte sind, ist die CO2-Extraktion, dicht gefolgt von der Ethanolextraktion. Beide Verfahren sind für die Herstellung von CBD-Extrakten für die medizinische Nutzung geeignet.
Der Prozess ist sowohl bei der Extraktion mit Ethanol als auch mit CO2 zu Beginn gleich und erst in späteren Schritten verändert sich die Vorgehensweise. In jedem Fall werden die geernteten Cannabisblüten getrocknet und zerkleinert. Nachdem das Pflanzenmaterial zermahlen wurde, um die Oberfläche zu vergrößern, folgt die Decarboxylierung. Dabei wird das Pflanzenmaterial erhitzt, da erst so der aktive Wirkstoff CBD entsteht – in der Pflanze selbst kommt nämlich nur eine Vorstufe von CBD vor. Ab hier unterscheiden sich die Prozesse je nach Lösungsmittel:
| CO2-Extraktion zur Gewinnung von CBD-Extrakten | Ethanolextraktion zur Gewinnung von CBD-Extrakten |
|---|---|
| CO2 wird in den sogenannten überkritischen Zustand versetzt und durch das Pflanzenmaterial gepresst, um die Wirkstoffe daraus zu lösen. | Das Pflanzenmaterial wird mehrere Tage bis Wochen in reinem Alkohol (Ethanol) eingelegt, um die Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial zu lösen. Dieser Prozess kann bei Raumtemperatur stattfinden, durch Wärme beschleunigt werden, oder durch ein Abkühlen auf –40 bis –80 °C zur Kryoextraktion werden. Alle drei Varianten haben verschiedene Vor- und Nachteile. |
| Der Druck wird reduziert und das CO2 verdampft vollständig und kann recycelt werden. Zurück bleibt ein besonders reiner Cannabisextrakt. | Der Alkohol wird nun verdampft und zurück bleibt der Roh-Cannabisextrakt. Dieser muss so lange gereinigt und gefiltert werden, bis der reine Cannabisextrakt zurückbleibt. |
Der gewonnene Cannabisextrakt wird durch weitere Verarbeitungs- und Reinigungsschritte zu einem CBD-Extrakt mit standardisiertem Wirkstoffgehalt oder einem CBD-Isolat. Diese Zwischenprodukte wiederum werden von Apotheken und Herstellern zu CBD-Arzneimitteln weiterverarbeitet.

Produkte, die aus CBD-Extrakten hergestellt werden
CBD-Extrakte sind wie bereits erwähnt ein Zwischenprodukt, aus dem andere Produkte hergestellt werden. Durch Mischen des CBD-Extrakts mit einem Öl werden beispielsweise CBD-Öle mit standardisiertem Wirkstoffgehalt hergestellt. Apotheken und Arzneimittelhersteller können CBD-Extrakte auch nutzen, um Medikamente – häufig in Form von Lösungen, Ölen oder Kapseln – herzustellen. Abgesehen von Kosmetik- und Wellnessprodukten mit CBD gibt es außerdem auch Cremes und Salben für die topische Anwendung, also zum Auftragen auf die Haut, welchen CBD-Extrakte zugesetzt werden. Die Wirksamkeit dieser Cremes ist allerdings nicht nachgewiesen.
Rechtliche Situation rund um CBD-Extrakte in Deutschland
Da CBD nicht psychoaktiv ist, sind die Regeln rund um CBD-Extrakte und die daraus hergestellten CBD-Produkte sehr viel weniger streng als es bei THC-haltigen Produkten der Fall ist.
Bei der Teillegalisierung von Cannabis 2024 lag der Fokus auf Cannabisblüten und dem THC-Gehalt, nicht jedoch auf CBD, CBD-Extrakten und den daraus hergestellten CBD-Produkten. Somit sind CBD-Produkte grundsätzlich legal und unterliegen auch nicht der Verschreibungspflicht, solange sie kein THC enthalten – sie müssen aber gewissen Anforderungen entsprechen.
Auf einige dieser Anforderungen gehen wir nun noch kurz ein. Beachte dabei immer, dass es Unterschiede zwischen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Kosmetik- und Wellnessprodukten gibt.
CBD-Arzneimittel
CBD-Arzneimittel wie Epidyolex müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen, das die Sicherheit und Wirksamkeit des Produkts bestätigt.
Dahinter stehen wissenschaftliche Untersuchungen, medizinische Studien, rigorose Testungsverfahren und eine gründliche Kosten-Nutzen-Bewertung, in der festgestellt wird, ob die positiven medizinischen Effekte potenzielle Nebenwirkungen überwiegen oder eben nicht. Erst wenn zweifelsfrei bestätigt ist, dass ein Arzneimittel wirksam ist und mehr Gutes tut als Schaden anrichtet, bekommt es eine Zulassung und darf auf den Markt gebracht werden.
Epidyolex ist aktuell das einzige reine CBD-Arzneimittel, das in Deutschland zugelassen ist. Das Mundspray Sativex® enthält CBD und THC zu annähernd gleichen Teilen und die Canemes®-Hartkapseln enthalten Nabilon, ein vollsynthetisches Cannabinoid – beide fallen wie Epidyolex in die Gruppe der Cannabis-Arzneimittel, sind aber keine (reinen) CBD-Arzneimittel.
CBD-Nahrungsergänzungsmittel und -Wellnessprodukte
Im Gegensatz zu CBD-Arzneimitteln entfallen bei CBD-haltigen Nahrungsergänzungsmittel diese rigorosen Tests – sie brauchen laut EU-Gesetz allerdings eine Novel-Food-Zulassung, welche bestätigt, dass der Konsum des Nahrungsergänzungsmittel sicher ist. Tatsächlich hat Stand Sommer 2026 aber kein einziges CBD-Produkt eine Novel-Food-Zulassung.
Von der EU ist CBD in Nahrungsergänzungsmittel also aktuell nicht als sicher eingestuft: die genaue Wirkung auf den menschlichen Körper und beispielsweise Leber, Verdauungstrakt, Hormon- und Nervensystem, aber auch die Psyche ist nicht ausreichend erforscht und es gibt auch sonst unzählige Lücken in der Sicherheitsbewertung. Nicht zuletzt gilt das für die Auswirkung von CBD auf die Fortpflanzung, da tierische Studien hier auf ein großes Risiko hindeuten, welches im Menschen noch lange nicht ausreichend untersucht ist – vor allem für Frauen und wenn diese schwanger sind oder einen Kinderwunsch haben, ist bei CBD daher Vorsicht geboten.
Abgesehen von der Tatsache, dass die Sicherheit von CBD also nicht erwiesen ist, gibt es laut Verbraucherzentrale noch einige weitere Probleme bei Wellness-Produkten mit CBD:
- Häufig fehlt diesen die Zulassung als Lebens-/Nahrungsergänzungsmittel – offiziell dürfen sie also maximal äußerlich angewandt werden.
- Diese CBD-Präparate werben oft mit irreführenden Heilsversprechen, die wissenschaftlich nicht belegt und daher illegal sind.
- Oft sind die Angaben zum CBD-Gehalt falsch, was zu Überdosierung und Nebenwirkungen wie Benommenheit, Unruhe, Fieber, Erbrechen und mehr führen kann.
- Auch der THC-Gehalt liegt bei frei verkäuflichen CBD-Produkten oft weit über dem zugelassenen Grenzwert und es kommt zum ungewollten Rausch oder Vorstufen davon.
- Seit kurzem gibt es auch immer mehr Fälschungen am Markt, die statt CBD nur den Aromastoff Beta-Caryophyllen enthalten (C.B.D.-Tropfen).
Häufig gestellte Fragen zu CBD-Extrakten
Was ist der Unterschied zwischen einem CBD-Extrakt und CBD-Öl?
Ein CBD-Extrakt ist ein Auszug aus der Cannabispflanze zur Herstellung von Arzneimitteln. CBD-Extrakte gibt es entweder als Isolat, das keine anderen Stoffe außer CBD enthält, oder als Extrakt mit standardisiertem Wirkstoffgehalt, der neben CBD auch Terpene und andere Pflanzenstoffe sowie geringe Mengen THC (unter 1 %, bezogen auf das Rohextrakt vor der Weiterverarbeitung) enthalten kann.
Wie wird hochwertiger CBD-Extrakt hergestellt?
Die CO2-Extraktion ist der Goldstandard bei der Herstellung von CBD-Extrakten, aber auch die Ethanolextraktion liefert sehr gute Ergebnisse. Beide Verfahren sind für die Herstellung von CBD-Extrakten für die medizinische Verwendung geeignet.
Wie hoch darf der THC-Gehalt in legalen CBD-Extrakten sein?
Der Grenzwert für THC in frei verkäuflichen CBD-Extrakten in Deutschland liegt bei maximal 0,3 % THC. Wenn ein Präparat mehr THC enthält, ist es rezept- und apothekenpflichtig. Der Verbraucherschutz warnt vor frei verkäuflichen CBD-Produkten, weil diese den Grenzwert für THC häufig überschreiten – am besten kaufst du CBD-Produkte immer in der Apotheke, da du dich dort auf die Qualität verlassen kannst.
Wie wird CBD-Extrakt medizinisch angewendet?
CBD-Extrakte kommen in der Medizin zum Einsatz, um CBD-Arzneimittel mit standardisiertem Wirkstoffgehalt herzustellen.
Autoren

Birgit Spalt-Zoidl
LinkedInBirgit Spalt-Zoidl ist Übersetzerin, Copywriterin und Tone-of-Voice-Beraterin für große und kleine Firmen. Im Zentrum steht bei ihren Texten und Übersetzungen immer, dass sie für die Leser:innen gut verständlich sind und die Inhalte zu den Zielen sowie der Markenstimme des jeweiligen Unternehmens passen. Sie schreibt leicht lesbare Texte und bereitet komplexe Sachverhalte so auf, dass sie greifbar und klar werden.
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