Cannabis in der Schwangerschaft und Stillzeit: Risiken für Mutter und Baby
Cannabis in der Schwangerschaft und Stillzeit: Risiken für Mutter und Baby

Autor
Anna Krafft

Wenn du schwanger bist oder schwanger werden möchtest, fragst du dich vielleicht, ob der Konsum von medizinischem Cannabis in dieser Zeit unbedenklich ist. In diesem Artikel werden die bekannten Risiken von Cannabis vor und während der Schwangerschaft und Stillzeit erläutert, damit du gut informiert die richtigen Entscheidungen für dich und dein Baby treffen kannst.
Die medizinische Faktenlage zu Cannabis in der Schwangerschaft
Was sagt die Wissenschaft zum Thema Cannabis und Schwangerschaft? In diesem Abschnitt geht es um den eindeutigen medizinischen Konsens internationaler Gesundheitsbehörden und klinischer Leitlinien. Alle großen medizinischen Fachgesellschaften raten ausdrücklich vom Einsatz von Cannabis in der Schwangerschaft ab. Wir führen dich durch die wichtigsten Forschungsergebnisse.
Aktuelle Studienlage und wissenschaftliche Evidenz
In den letzten Jahrzehnten haben Forscher:innen weltweit zahlreiche Beobachtungsstudien zum Cannabiskonsum in der Schwangerschaft durchgeführt.
Eine aktuelle Meta-Analyse von Sainz et al., die im März 2024 veröffentlicht wurde, liefert die bislang umfassendsten Ergebnisse. Sie basiert auf Daten aus 51 Studien, die fast 8 Millionen Schwangerschaften umfassen. Die Analyse ergab ein deutlich erhöhtes Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht, für SGA-Kind und für angeborene Fehlbildungen.
Eine Metaanalyse von Gunn et al. aus dem Jahr 2016 legte den Grundstein für spätere, umfangreichere Studien. Dabei wurden 24 Studien ausgewertet und es zeigte sich, dass der Cannabiskonsum während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Anämie bei der Mutter, einem niedrigen Geburtsgewicht und häufigeren Aufnahmen auf der Neugeborenenintensivstation verbunden war.
THC und CBD – Unterschiede in der Schwangerschaft
THC und CBD haben unterschiedliche Wirkmechanismen, geben aber beide Anlass zur Sorge während der Schwangerschaft und Stillzeit. THC ist psychoaktiv und gut erforscht. Es gelangt über die Plazenta in den Fötus und reichert sich auch in der Muttermilch an. Für die Wirkung von CBD, das oft als harmlos angesehen wird, fehlen ausreichende Daten zur Sicherheit. Außerdem können CBD-Produkte Spuren von THC enthalten. Führende Gesundheitsbehörden weltweit raten daher, beide Stoffe zu meiden.

Risiken für das ungeborene Baby
In diesem Abschnitt geben wir dir einen detaillierten, objektiven Überblick über alle wissenschaftlich belegten Risiken für die Entwicklung des Fötus. Die Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung, das Wachstum und langfristige Folgen werden anhand aktueller Forschungsdaten klar und transparent erklärt.
Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung
THC kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden, wodurch die neuronale Entwicklung gestört wird und langfristige kognitive Auswirkungen entstehen. Eine Studie von Evanski et al. aus dem Jahr 2024 untersuchte die fronto-limbischen Bahnen der weißen Substanz bei Kindern, die vor der Geburt Cannabis ausgesetzt waren. Dabei wurden messbare Auswirkungen auf die weiße Substanz festgestellt, insbesondere im Fornix, der eine entscheidende Rolle bei Prozessen im Zusammenhang mit Emotionen und dem Gedächtnis spielt. Zukünftige Studien sind erforderlich, um die Auswirkungen kleiner Veränderungen in der Gehirnstruktur auf die neurologische Entwicklung und das Risiko für neurologische Verhaltensstörungen zu verstehen.
Wachstum und körperliche Entwicklung
Der Cannabiskonsum von Schwangeren hat erhebliche Auswirkungen auf das Wachstum des Fötus. Eine Meta-Analyse von Sainz et al. ergab ein um 69 % erhöhtes Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht, eine um 79 % höhere Wahrscheinlichkeit für eine Wachstumsverzögerung und weitere körperliche Auswirkungen, darunter einen verringerten Kopfumfang (−0,34 cm). Die betroffenen Säuglinge wogen im Durchschnitt 178 Gramm weniger.
Langzeitfolgen für das Kind
Der Konsum von Cannabis in der Schwangerschaft bringt darüber hinaus Langzeitfolgen für die Entwicklung des Kindes mit sich. Eine Studie der European Psychiatric Association aus dem Jahr 2024 ergab bei den betroffenen Kindern ein fast doppelt so hohes Risiko für ADHS (+98 %) sowie für Autismus (+94 %) und ein um 46 % erhöhtes Risiko für geistige Behinderungen. Die ABCD-Studie von Fine et al. bestätigte, dass Verhaltensprobleme bis ins Jugendalter andauern, mit Aufmerksamkeitsdefiziten, sozialen Schwierigkeiten und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für frühen Cannabiskonsum bei betroffenen Kindern im Vergleich zu nicht betroffenen Gleichaltrigen.

Risiken für die schwangere Mutter
Nicht nur für das ungeborene Baby sind Gesundheitsrisiken mit dem Einsatz von Cannabis verbunden. Es kann neben den allgemeinen Nebenwirkungen von Cannabis auch zu Schwangerschaftskomplikationen und hormonellen Wechselwirkungen kommen.
Schwangerschaftskomplikationen
Wenn du in der Schwangerschaft Cannabis konsumierst, steigt das Risiko für Komplikationen. Eine Meta-Analyse von Sainz et al. ergab ein um 39 % höheres Risiko für Frühgeburten, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Einweisungen auf die Neugeborenenintensivstation sowie eine erhöhte perinatale Sterblichkeit. Eine separate Studie von Young-Wolff et al. berichtete von einem um 17 % höheren Risiko für Schwangerschaftshypertonie und einem um 8 % höheren Risiko für Präeklampsie. Doppler-Ultraschalluntersuchungen von Brik et al. zeigen eine veränderte Durchblutung der Plazenta.
Wechselwirkungen mit Hormonen
THC verändert die Wirkungsweise von Östrogen in der Plazenta. Eine Studie von Maia et al. aus dem Jahr 2020 ergab, dass THC die Plazenta dazu veranlasst, mehr Östrogen als normal zu produzieren. Dies geschieht, weil THC bestimmte Rezeptoren (sogenannte CB1-Rezeptoren) aktiviert und die Aktivität eines Enzyms namens Aromatase steigert, das Östrogen bildet. Diese Veränderung könnte die Entwicklung und die ordnungsgemäße Funktion der Plazenta beeinträchtigen.
Cannabis in der Stillzeit
Stillen und Cannabis – die medizinische Empfehlung aller relevanten Behörden ist eindeutig: Von dem Konsum von Cannabis während der Stillzeit wird dringend abgeraten. THC geht in die Muttermilch über und kann deinem Baby potenziell schaden.
THC in der Muttermilch
Die Forschungsergebnisse variieren erheblich: Etwa 2,5 % der von der Mutter eingenommenen Dosis gelangen in die Muttermilch. Die geschätzte Halbwertszeit reicht jedoch von 11 Stunden bis zu 17 Tagen und die feststellbare Dauer von 6 Tagen bis zu über 6 Wochen. Diese Schwankungen spiegeln Unterschiede in der Anwendungshäufigkeit, im Stoffwechsel und in individuellen Faktoren wider, die die THC-Anreicherung im Fettgewebe beeinflussen.
Auswirkungen auf die Entwicklung des Säuglings
Leider ist die Studienlage zu den Auswirkungen von Cannabis in der Muttermilch unzureichend. Es gibt nur wenige und sehr alte Studien zu diesem Thema. Tatsache ist, dass sich THC in der Muttermilch anreichert, durch das System des Säuglings absorbiert wird und auch im Stuhl nachgewiesen werden kann. Welche Schäden dabei verursacht werden, ist nicht klar. Deswegen wird dringend geraten, auch in der Stillzeit auf Cannabis zu verzichten.
Medizinisches Cannabis – Alternativen in der Schwangerschaft
Für Patientinnen, die medizinisches Cannabis zur Behandlung verschiedenster Symptome nutzen, aber schwanger sind, es werden wollen oder stillen, gibt es einige sichere Alternativen. Eine Beratung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ist essentiell, um zusammen die Umstellung deiner Therapie zu planen.
Sichere Alternativen zur Schmerzbehandlung
Im Allgemeinen gilt: Reduziere die Einnahme von jeglichen Substanzen und Medikamenten während der Schwangerschaft und Stillzeit auf ein Minimum, da kein Medikament völlig risikofrei ist. Versuche, zur Schmerzlinderung zunächst auf nicht-medikamentöse Therapien zurückzugreifen. Bei starken Schmerzen solltest du mit Bedacht das geeignete Medikament und die richtige Dosierung wählen. Unbehandelte Schmerzen führen zu einer Verengung der Blutgefäße, wodurch die Sauerstoffversorgung deines Babys eingeschränkt wird – das ist ein größeres Risiko als die gelegentliche Einnahme von Medikamenten unter ärztlicher Aufsicht.
Zu den nicht-medikamentösen Schmerzbehandlungen gehören z. B. Physiotherapie, gezielte Übungen, Wärme/Kälte-Kompressen und Massagen. Nach ärztlicher Rücksprache kann Paracetamol eingenommen werden. Aktivitäten wie Schwangerschaftsgymnastik, Schwimmen und Yoga sowie Entlastungsbandagen oder Bauchgürtel können helfen. Ausführliche Informationen zu sicheren Alternativen abhängig von den Symptomen, gibt die Deutsche Schmerzgesellschaft hier: Schmerztherapie in Schwangerschaft und Stillzeit.
Ärztliche Betreuung bei der Therapieumstellung
Eine Umstellung der Therapie erfordert eine professionelle Anleitung. Releaf unterstützt schwangere und stillende Patientinnen beim Wechsel zu sicheren, bewährten Alternativen. Wir unterstützen dich dabei, deine Schmerzbehandlung in den Vordergrund zu stellen, ohne das Wohlergehen deines Babys zu gefährden.
Fazit
Der Cannabiskonsum während der Schwangerschaft und Stillzeit birgt nachweisliche Risiken für die Entwicklung eines ungeborenen Kindes sowie für die Schwangere. Auch in der Stillzeit wird weiterhin davon abgeraten. Obwohl unbehandelte Schmerzen das Wohlbefinden von Mutter und Fötus beeinträchtigen, gibt es sicherere Alternativen zur Behandlung von Cannabis. Arbeite eng mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zusammen, um diese Herausforderungen zu meistern. Gemeinsam kann ein Weg gefunden werden, der deinem Baby den besten Start ins Leben ermöglicht.
Du bist dir nicht sicher, welche Alternative zu Cannabis für dich und dein Baby am besten wäre? Erfahre mehr über den Ablauf bei Releaf Deutschland.
Häufig gestellte Fragen zu Cannabis in der Schwangerschaft und Stillzeit
Kann Cannabis in der Schwangerschaft die Plazenta durchdringen?
Ja, THC kann in die Plazenta und somit in das Blut des Fötus gelangen. Die Konzentration steigt bei wiederholtem Konsum deutlich an. Die WHO und deutsche Gesundheitsexpert:innen raten daher dringend vom Cannabiskonsum in der Schwangerschaft ab.
Welche Risiken bestehen bei Konsum von Cannabis in der Schwangerschaft?
Studien zeigen erhöhte Risiken für Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und andere Auswirkungen. Cannabis kann die fötale Gehirnentwicklung beeinträchtigen und zu späteren kognitiven Defiziten wie Aufmerksamkeitsstörungen führen.
Ist CBD in der Schwangerschaft sicherer als THC?
Nein, auch von CBD wird von der WHO und deutschen Expert:innen in der Schwangerschaft abgeraten. Zu diesem Thema gibt es eine nur unzureichende Studienlage.
Geht Cannabis in die Muttermilch über?
Ja, THC reichert sich in der Muttermilch an. Es bleibt dort Tage bis Wochen nach dem letzten Konsum nachweisbar. „Pump & dump" (abpumpen & entsorgen) der Milch ist daher keine effektive Methode, um die Auswirkungen zu vermeiden.
Welche langfristigen Auswirkungen kann die Exposition mit Cannabis im Mutterleib haben?
Cannabisexponierte Kinder zeigen häufiger kognitive Defizite, Aufmerksamkeitsstörungen, ADHS-Symptome und Probleme bei der emotionalen Regulation.
Was sollten schwangere Cannabis-Patientinnen tun?
Schwangere Frauen sollten sofort ärztlichen Rat einholen und über sichere Behandlungsalternativen sprechen. Dr. Hans Werner und das Team von Releaf unterstützen dich beim kontrollierten Absetzen und Finden der richtigen Alternative für dich.
Autoren

Anna Krafft
LinkedInAnna ist eine Copywriterin und Übersetzerin aus Hamburg und hat sich im Jahr 2021 in diesem Bereich selbstständig gemacht. Nachdem sie ihren MBA abgeschlossen hat, war sie in verschiedenen Branchen tätig und übernahm vielfältige Aufgaben, sowohl in der B2C- als auch in der B2B-Kommunikation. Es ist ihre Leidenschaft, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Botschaft zu vermitteln und auf deutschsprachigen Märkten erfolgreich zu sein.
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