Darreichungsformen für medizinisches Cannabis
Darreichungsformen für medizinisches Cannabis
Autor
Birgit Spalt-Zoidl

Seit 2024 ist Cannabis in Deutschland weitgehend legal – und zwar sowohl für den Freizeitkonsum als auch für medizinische Behandlungen. Eine Cannabistherapie kann bei verschiedenen Beschwerden helfen und mittlerweile gibt es medizinisches Cannabis in verschiedenen Darreichungsformen.
In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die verschiedenen Darreichungsformen und ihre Vor- und Nachteile – welche davon für dich als Patient:in die richtige ist, entscheiden immer deine behandelnden Ärzt:innen.
Legale Cannabis-Darreichungsformen in Deutschland
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland immer rezept- und apothekenpflichtig. Eine Selbstmedikation ist illegal und du brauchst immer eine Verschreibung von deinem:deiner Arzt:Ärztin, um dein Medizinalcannabis aus der Apotheke zu beziehen. Mehr darüber, wie du in Deutschland Cannabis auf Rezept beziehen kannst und was dich als Cannabis-Patient:in erwartet, kannst du in unseren Blogbeiträgen zu diesen Themen herausfinden.
Ein Blick auf die verschiedenen Formen, in denen medizinisches Cannabis für deutsche Patient:innen legal verfügbar ist, zeigt ganz verschiedene Darreichungsformen: Medizinisches Cannabis gibt es beispielsweise zur Inhalation, etwa in Form von getrockneten Blüten oder speziellen Cannabisextrakten, die verdampft werden. Es gibt auch Cannabisextrakte, die entweder in Form von Tropfen, Sprays oder Kapseln oral angewandt, also geschluckt werden, oder sublingual unter die Zunge getropft und direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Außerdem gibt es Fertigarzneimittel in verschiedenen Formen, auf die wir später noch eingehen.
Die ideale Darreichungsform hängt von verschiedenen Faktoren ab und wird immer individuell entschieden. Neben der Indikation, der Dosierungsgenauigkeit und der Verträglichkeit spielen hier auch dein Lebensstil als Patient:in und einige weitere Aspekte eine Rolle.

Cannabisblüten als Darreichungsform
Die wohl bekannteste Darreichungsform für medizinisches Cannabis sind getrocknete Blüten. Während diese beim Freizeitkonsum in der Regel geraucht werden, wird bei medizinischen Behandlungen davon abgeraten. Der Grund dafür ist, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist und die Lunge und die Atemwege dabei unnötig belastet werden.
Stattdessen werden Cannabisblüten in der Medizin verdampft und inhaliert – diese Alternative bietet einige Vorteile:
- Decarboxylierung: Gleich wie bei der Verbrennung werden beim Verdampfen die inaktiven Vorstufen von CBD und THC in die aktiven Wirkstoffe umgewandelt.
- Schnelle Wirkung: Auch beim Verdampfen werden die Cannabis-Wirkstoffe direkt über die Lunge aufgenommen und die Wirkung tritt innerhalb von wenigen Minuten ein.
- Schonend für Lunge und Atemwege: Im Gegensatz zum Verbrennungsprozess entstehen beim Verdampfen deutlich weniger Schadstoffe als bei der Verbrennung.
Patient:innen müssen also bei der Inhalation von verdampftem Medizinalcannabis keine Kompromisse eingehen und schützen im Vergleich zum Rauchen außerdem ihre Lunge und Atemwege – hier erfährst du mehr über das Verdampfen von Cannabis als Darreichungsform.
In sehr seltenen Fällen wird auch Cannabistee als Darreichungsform für medizinisches Cannabis gewählt – da dieser jedoch von Patient:innen selbst hergestellt und aufgrund verschiedener Faktoren sehr fehleranfällig ist, was zu einem hohen Risiko der Über- oder Unterdosierung führt, wird diese Darreichungsform nicht empfohlen. Mehr über die Besonderheiten von Cannabistee und warum er in der Medizin so selten eingesetzt wird, erfährst du in unserem Blogbeitrag zum Thema.
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Extrakte als Cannabis-Darreichungsformen
Eine weitere Darreichungsform für medizinisches Cannabis sind Extrakte – diese sind in der Medizin sogar noch beliebter als Cannabisblüten. Das liegt daran, dass Cannabisextrakte besonders präzise zu dosieren und außerdem sehr gut verträglich sind. Hinzu kommt, dass diese Darreichungsform für medizinisches Cannabis im Gegensatz zum Vaporisieren auch für Patient:innen geeignet ist, die Probleme mit der Lunge oder den Atemwegen haben.
Bei Cannabisextrakten kommt es allerdings oft zu Verwirrungen, weil umgangssprachlich viele Begriffe für diese Darreichungsform kursieren. Hier ein kurzer Überblick über die verschiedenen Begrifflichkeiten und wie sie sich unterscheiden.
| Vollspektrumextrakt | Ein Vollspektrumextrakt ist ein Cannabisextrakt, der neben den Wirkstoffen THC und CBD auch alle anderen Cannabinoide, Terpene und Pflanzenstoffe von Cannabis enthält. |
|---|---|
| Cannabisöl | Cannabisöl ist ein unspezifischer, allgemeinsprachlicher Begriff für ölige Extrakte aus der Cannabispflanze – es ist also ein Synonym für Cannabisextrakte. Es gibt verschiedene Arten von Cannabisölen, diese enthalten jedoch immer THC und/oder CBD. |
| Cannabistropfen | Cannabistropfen sind in den allermeisten Fällen nichts anderes als Cannabisöl, was wiederum nichts anderes als ein verdünnter Cannabisextrakt ist. Bei dieser Bezeichnung liegt der Fokus darauf, dass das Cannabispräparat in Tropfenform verabreicht wird und in der Regel gegessen oder sublingual unter die Zunge getropft wird. |
| CBD-Extrakt | Ein CBD-Extrakt ist ein Zwischenprodukt, mit dem Patient:innen in der Regel nicht in Berührung kommen – er wird stattdessen von Apotheken und Herstellern genutzt, um Cannabis-Präparate mit standardisiertem Wirkstoffgehalt herzustellen. |
Cannabisextrakte sind allein schon wegen der verschiedenen Einnahmearten sehr vielseitig: Sie können gegessen, unter die Zunge getropft oder verdampft und inhaliert werden. Während die Wirkung bei der oralen Einnahme nach etwa 30–90 Minuten eintritt und zwischen 4 und 8 Stunden anhält, tritt die Wirkung bei der Inhalation bereits nach 2–10 Minuten ein und hält dafür nur 2–4 Stunden. Dazwischen liegt die Aufnahme über die Mundschleimhaut bei der sublingualen Einnahme: Die Wirkung tritt hier nach etwa 10–30 Minuten ein und hält 3–6 Stunden an.
Je nachdem, ob eine eher konstante Wirkungsdauer oder ein schneller Wirkungseintritt gewünscht sind, hat also jede Darreichungsform ihre Vorteile.

Cannabis-Medikamente als Darreichungsformen
Abgesehen von Cannabisextrakten und Cannabisblüten können Ärzt:innen auch Cannabis-Arzneimittel verschreiben. Derzeit (Sommer 2026) gibt es drei verschiedene Medikamente mit den Cannabis-Wirkstoffen THC und/oder CBD.
Als Medikamente mit Arzneimittelzulassung bzw. Rezeptursubstanz wurden diese Präparate sorgfältig entwickelt und in wissenschaftlichen Studien auf ihre Sicherheit und ihre Wirksamkeit für bestimmte Indikationen getestet.
Die folgenden Cannabis-Medikamente sind in Deutschland zugelassen:
- Sativex®: Dieser Mundspray enthält den Wirkstoff Nabiximols, der eine Kombination von aus der Cannabispflanze gewonnenem THC und CBD im Verhältnis von nahezu 1:1 ist. Mit Sativex® werden im Zuge von Multipler Sklerose auftretende, starke Krämpfe behandelt, wenn andere antispastische Arzneimittel nicht die gewünschte Wirkung erzielen.
- Dronabinol: Dronabinol ist der internationale Freiname (INN) für synthetisch hergestelltes THC. Anders als Sativex® und Canemes® ist Dronabinol in Deutschland kein zugelassenes Fertigarzneimittel, sondern wird von Apotheken individuell als Rezeptur hergestellt. Unter anderem wird Dronabinol genutzt, um Appetitlosigkeit bei HIV/AIDS, chronische Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie sowie Krämpfe bei Multipler Sklerose zu behandeln.
- Canemes®: Dieses Medikament wird eingesetzt, um im Zusammenhang mit Chemotherapie auftretende Übelkeit und Erbrechen zu behandeln, wenn andere antiemetische Medikamente nicht helfen. Canemes® enthält Nabilon, ein synthetisches Cannabinoid, und wird in Form von Kapseln verabreicht.
Die beste Darreichungsform für medizinisches Cannabis
Es gibt keine beste Darreichungsform für medizinisches Cannabis, da diese immer von deiner individuellen Situation als Patient:in, deinen Beschwerden und deinem Lebensstil abhängen. Dein:e Arzt:Ärztin wird die verschiedenen Möglichkeiten in einem ausführlichen Gespräch mit dir evaluieren und festlegen, wie deine Cannabistherapie umgesetzt wird.
Hier dennoch ein Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Cannabis-Darreichungsformen, insbesondere von Cannabisextrakten und Cannabisblüten.
| Cannabisextrakt | Cannabisblüte | |
|---|---|---|
| THC-/CBD-Konzentration | Streng reguliert und standardisiert; gleichbleibende Qualität | Schwankt je nach Sorte und Anbaubedingungen |
| Einnahmeform | Tropfen, Öl, Kapsel, Verdampfung | Verdampfung, Verbrennung |
| Wirkungseintritt | Variiert je nach Einnahmeform: Oral als Kapsel: 30–90 Minuten; Sublingual als Tropfen unter der Zunge: 10–30 Minuten; Verdampfung: 2–10 Minuten | 2–10 Minuten |
| Wirkungsdauer | Variiert je nach Einnahmeform: Oral als Kapsel: 4–8 Stunden; Sublingual als Tropfen unter der Zunge: 3–6 Stunden; Verdampfung: 2–4 Stunden | 2–4 Stunden |
| Ärztliche Kontrolle | Sehr präzise Dosierung und Kontrolle möglich | Dosierungsgenauigkeit und Kontrolle variieren |
| Verträglichkeit | Sehr gut | Belastung für Lunge und Atemwege; vor allem zu Beginn der Therapie häufige Nebenwirkungen |
| Diskrete Einnahme möglich? | Ja, vor allem bei Tropfen, Ölen und Kapseln | Kaum möglich und aufgrund des Geruchs oft klar als Cannabis erkennbar, was zu Stigmatisierung führen kann |
Häufig gestellte Fragen zu Cannabis-Darreichungsformen
Welche Cannabis-Darreichungsformen gibt es für Patient:innen?
Medizinisches Cannabis ist als Blüten, Extrakt, Kapsel oder Arzneimittel in Form von Mundspray oder Kapseln verfügbar. Die verschiedenen Darreichungsformen unterscheiden sich in Wirkungseintritt, Wirkungsdauer, Dosierbarkeit und Verträglichkeit.
Was ist der Unterschied zwischen Cannabisblüten und Extrakten?
Cannabisblüten werden in der Regel inhaliert, während Cannabisextrakte in Form von Tropfen, Kapseln oder zur Verdampfung und Inhalation verabreicht werden. Extrakte sind leichter zu dosieren und verfügen insbesondere bei der oralen oder sublingualen Aufnahme über eine längere Wirkungsdauer.
Wie funktioniert ein medizinischer Cannabis-Verdampfer?
Ein Verdampfer erhitzt die Blüten und verdampft die Wirkstoffe, statt sie wie beim Rauchen zu verbrennen. Die Verdampfung ist weniger gesundheitsschädlich und belastet Lunge und Atemwege viel weniger als das Rauchen, bietet dabei jedoch einen ebenso schnellen Wirkungseintritt von nur wenigen Minuten. Es gibt auch Cannabisextrakte, die verdampft werden können.
Was ist Dronabinol und wie wird es angewendet?
Dronabinol ist synthetisch hergestelltes THC und entspricht 1:1 dem Wirkstoff aus der Cannabispflanze. Dronabinol wird beispielsweise bei chronischen Schmerzen, durch Chemotherapie hervorgerufene Übelkeit und Erbrechen, Spastizität bei MS und Paraplegie (Querschnittslähmung) sowie Appetitverlust und Gewichtsabnahme bei AIDS- und Tumorpatient:innen eingesetzt.
Wofür wird Sativex-Mundspray verwendet?
Sativex ist ein in Deutschland zugelassener THC/CBD-Mundspray, der zur Behandlung von schweren Spastiken bei Multipler Sklerose eingesetzt wird.
Welche Darreichungsform wirkt am schnellsten?
Am schnellsten tritt die Wirkung von Cannabis ein, wenn es via Verdampfer inhaliert wird – es dauert nur wenige Minuten. Am zweitschnellsten, nämlich nach 10–30 Minuten, wirken Cannabis-Präparate, die unter die Zunge getropft und über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Am längsten dauert es bei Darreichungsformen, die geschluckt werden, bis die Wirkung eintritt, da die Wirkstoffe hier erst verstoffwechselt werden müssen – Patient:innen müssen hier mit 30–90 Minuten bis zum Wirkungseintritt rechnen.
Wie wird die passende Darreichungsform gewählt?
Die passende Darreichungsform wird immer von dem:der behandelnden Arzt:Ärztin gewählt und hängt von therapeutischem Ziel, Krankheitsbild und Lebensumständen ab. Akute Symptome benötigen schnell wirkende Formen, chronische Beschwerden profitieren oft von lang anhaltenden Darreichungsformen.
Wo erhalten Patient:innen Cannabis in den verschiedenen Darreichungsformen?
Da medizinisches Cannabis in Deutschland rezept- und apothekenpflichtig ist, benötigen Patient:innen immer eine ärztliche Verschreibung, welche sie in einer Apotheke einlösen müssen.
Autoren
Birgit Spalt-Zoidl
LinkedInBirgit Spalt-Zoidl ist Übersetzerin, Copywriterin und Tone-of-Voice-Beraterin für große und kleine Firmen. Im Zentrum steht bei ihren Texten und Übersetzungen immer, dass sie für die Leser:innen gut verständlich sind und die Inhalte zu den Zielen sowie der Markenstimme des jeweiligen Unternehmens passen. Sie schreibt leicht lesbare Texte und bereitet komplexe Sachverhalte so auf, dass sie greifbar und klar werden.
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